(95) Auf dem Schild stand in schwarzen Lettern ‚Es wird alles noch schlimmer werden!‘

Auf dem Schild stand in schwarzen Lettern ‚Es wird alles noch schlimmer werden!‘ Der Mann mit dem Pepitahut und dem grauen buschigen Schnurrbart trug zwei identische weiße Schilder, eines vorne und eines hinten. Vor der Bushaltestelle blieb er kurz stehen und schaute Walon an. Walon bemerkte ihn aber nicht und starrte stur auf den Boden. Der Mann zuckte mit den Schultern und kam über die Straße herüber. Der Regen schien ihm nichts auszumachen.

„Nun ja“, sagte er, „schade für Walon. Aber er wird sein Gewicht noch in die Waagschale werfen, wie man so sagt.“

Der Mann lächelte etwas unsicher wegen des offensichtlich schlechten Witzes.

„Kommen wir jetzt zu etwas ganz anderem. Drüben im Osten, da gab es diese Frau. Valeria Stantz. Zumindest war das der Name, den ihre Eltern ihr gaben. Sie selbst nannte sich ‚Janine‘. Wo ich herkomme, würde kein Mensch sich so nennen. Aber vieles machte keinen Sinn für mich. Deshalb fand ich es ja auch so interessant. Aber mal ehrlich, so viel weiß ich nicht, dass ich der Spezialist wäre. Wenn ich sage, es ist interessant, dann kann das für jeden anderen Pillepalle sein. Wie sagte mal einer: Ich bin noch keiner Königin im Schlüpper begegnet. Also es geht hier um Janine und ich will ihre Geschichte erzählen, damit mir keiner sagen kann, dass er um diese Erfahrung betrogen wurde. Die Geschichte ist schon ein paar Jahre alt, aber das sind die meisten Geschichten immer. Im Grunde haben die Höhlenmenschen diese Geschichten schon erzählt, auch wenn es damals keinen Jacuzzi oder keinen Toaster gab in der Höhle. Also noch mal. Es geht um Janine. Sie ist die Kernfigur dieser Geschichte. Heldin würde ich nicht sagen, denn was ist auch schon eine Heldin, oder? Aber manchmal ist da eine Frau, und ich rede jetzt über Janine. Sie ist die Frau, die perfekt in ihre Zeit und an ihren Platz passt. Wie die Faust aufs Auge.

Und auch wenn sie eine ganz schreckliche Zicke ist. Und das war Janine ohne Zweifel. Sie war wahrscheinlich die größte Zicke im Umkreis von hundert Kilometern. Aber, manchmal ist da eine Frau. Und diese Frau…“

Der Mann stemmte die Hände in die Hüften und schaute den Regentropfen zu, wie sie beim Aufprall immer noch ein paar Zentimeter wieder in die Höhe sprangen.

„Verdammt, jetzt habe ich den Faden verloren.“

Hinter ihm fuhr ein Bus vor die Haltestelle, blieb stehen und Walon Berry stieg ein. Bevor er sich setzten konnte, fuhr der Bus los und Walon musste sich festhalten, damit er nicht kopfüber in den Gang flog.

Die Regentropfen perlten dem Mann über den Rand des Pepitahutes auf die Schultern und dann auf die Erde. Der buschige Schnurrbart hatte sich ebenfalls mit Wasser vollgesogen.

„Ich komm‘ nicht mehr drauf, was ich noch sagen wollte. Dieser Scheißregen macht einen noch ganz mürbe, ehrlich… Egal, ich habe genug zu Janine gesagt…“

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