(8) „Herr Kortz, was denkt Ihr Hund jetzt?“

„Herr Kortz, was denkt Ihr Hund jetzt?“

„Er freut sich darauf, dass man ihn im Fernsehen sieht.“

„Wann haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass Ihr Hund Ihnen seine Gedanken überträgt?“

„Vor zwei Jahren. Ich beobachtete Ralf beim Fressen. Dann hob er seinen Kopf und blickte mich an. Obwohl der Napf noch halb voll war. Und dann vernahm ich seine Stimme, die mir dankte.“

„Sie hörten seine Stimme?“

„Nein, nein, Ralf kann natürlich nicht sprechen. Aber ich spüre seine Gedanken und was sie mir mitteilen.“

„Was hält Ihre Frau davon?“

„Nun, sie kann Ralf nicht verstehen. Das kann nur ich.“

„Glauben Sie, dass alle Hunde kommunizieren können?“

„Das kann ich nicht sagen. Ralf ist natürlich ein ganz spezieller Hund. Er ist sehr artikuliert. Andere Hunde haben es bestimmt schwerer, sich auszudrücken.“

„Was war das Eindrucksvollste, was Ralf Ihnen je sagte, pardon, zu verstehen gab?“

„Das war seine Dankbarkeit. Und dann hat er den Ausgang der letzten Bundestagswahlen vorhergesehen.“

„Ralf kann auch Hellsehen?“

„Er kann es auch nicht erklären, aber manchmal hat er Vermutungen, die dann auch eintreffen.“

„Und wo fahren Sie jetzt mit Ralf hin?“

„Zum Zirkus. Wir sind es Leid, dass wir immer angefeindet werden, sobald ich mit Ralf kommuniziere. Manchmal habe ich den Eindruck, es nur mit Zurückgebliebenen zu tun zu haben.“

Der Mann und sein Hund stiegen in Halberstadt aus dem Zug. Vor dem Bahnhof nahmen sie ein Taxi und fuhren vor die Stadt, zu einer Industriebrache, in der ein Zirkus sein Zelt aufgeschlagen hatte. Herr Kortz sprach Pawel an, der mit beiden Händen eine Holzwerbetafel vor sich trug. Pawel drehte den Kopf und zeigte mit dem Kinn in Richtung eines blauen Wohnwagens. Herr Kortz bedankte sich und ging zum Wohnwagen, klopfte an die Tür. Er musste kurz warten, erst öffnete sich nur das Bullauge, dann die ganze Tür. Ewald Kortz gab Ralf den Vortritt und trat dann auch hinein.

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