(71) Als Prof. Kraushaar auf dem Institutsparkplatz zu seinem Wagen trat…

Als Prof. Kraushaar auf dem Institutsparkplatz zu seinem Wagen trat, stand ein alter Mann an die Mauer gelehnt neben dem Schild mit der Aufschrift ‚Prof. Dr. Kraushaar‘. Als er Kraushaar kommen sah, trat er hervor und der Professor musste sich mit ihm beschäftigen, denn er stand vor der Fahrertür des BMW 733i. „Was kann ich für Sie tun?“, fragte Kraushaar vorsichtig. „Prof. Dr. Kraushaar?“ In der Hand hielt der Mann eine Flasche mit Orangensaft. „Vielleicht… Worum geht es denn? Ich bin in Eile.“

„Es geht schnell“, sagte der Alte. „Ich wollte Ihnen etwas zeigen.“ Instinktiv trat Kraushaar zwei Schritte zurück. Es gab so viele Verrückte auf der Welt. Am Ende wollte er ihn mit Orangensaft begießen.

Der Alte stellte die Orangensaftflasche neben das Auto auf den Asphalt. Dann legte er die Handfläche seiner rechten Hand auf den Schraubverschluss der Flasche und ließ sich nach vorne fallen. Allerdings fiel er nicht, sondern er fing sich mit der Hand auf. Er lag jetzt praktisch parallel zum Boden und hielt sich nur mit seinem rechten angewinkelten Arm in der Schwebe. Sein linker Arm lag eng am Körper und überhaupt war sein ganzer Körper steif wie ein Brett. Kraushaar wusste nicht, was er sagen sollte. Nach ein paar Momenten klemmte er seine Aktenmappe unter den Arm und applaudierte. Der Alte war schon rot im Gesicht, aber erst als er den Applaus von Kraushaar hörte, setzte er die Füße wieder auf den Boden und richtete sich auf. „Na, wie war ich?“, fragte er. „Ganz toll“, antwortete Kraushaar. „Eine reife Leistung. Sie sollten zum Zirkus gehen. Ich habe gehört, man sucht noch Akrobaten. Aber jetzt muss ich wirklich los. Ganz toll.“

„Ich will Ihnen meinen Körper vererben.“ Der Alte schaute Kraushaar erwartungsvoll an. Jetzt fiel der Groschen beim Professor. „Aber so weit sind Sie doch noch gar nicht“, beschwichtigte er. „Sie werden noch auf meinem Grab tanzen. Vor allem, wenn meine Frau mich umbringt, weil ich zu spät dran bin.“

Der Alte schien etwas enttäuscht und stand immer noch vor der Fahrertür. Kraushaar wollte ihn nicht anfassen, aber auch nicht den Pförtner holen. „Also gut, schicken Sie mir einen Brief mit den Einzelheiten. Ich werde sehen, was ich tun kann. So ein Angebot bekommt man ja nicht alle Tage.“ Der Alte strahlte. „Das will ich meinen, Herr Professor Dr. Kraushaar.“ Er trat weg von der Fahrertür. Kraushaar stieg ein und warf die Aktentasche auf den Beifahrersitz.

Beim Ausparken achtete er darauf, dass der Alte keinen Unfug anstellte, wie zum Beispiel sich im Überschwang unter das Auto zu werfen. Der Alte blieb aber nur an der Stelle stehen. Als Kraushaar die Schranke passierte und sich noch einmal hinwandte, winkte ihm der Alte zu. Kraushaar hob vage die Hand und brauste davon.

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