(69) „Und hiermit übergebe ich unser schönes, neues Gemeindehaus…

„Und hiermit übergebe ich unser schönes, neues Gemeindehaus seiner Bestimmung“, endete Rainer Rossbach, der Bürgermeister, unter dem Applaus der Anwesenden. Pfarrer Gondorf hatte bereits vorher die Räume eingesegnet und jetzt durften alle Anwesenden sich den neuen Treffpunkt des gemeinschaftlichen Lebens ansehen.

Es gab Getränke und eine Brotzeit für alle, gegen Spenden für die Missionsarbeit in Südafrika, wie Schwester Anna-Franziska betont hatte. In dem Festzelt im Innenhof war ein Tisch für die Honoratioren reserviert. Nach und nach fanden sich dort der Pfarrer, der Bürgermeister, die Mutter Oberin, Mitglieder des Gemeinderates, der Leiter der Pfadfinder und ein paar Lehrer ein. Rossbach war sehr stolz auf das neue Haus, das in Rekordzeit errichtet worden war, gegen die Stimmen der Opposition. Auch jetzt gab es noch keine Übereinstimmung, aber die Herren der gegnerischen Partei waren natürlich auch zu der Einweihung gekommen und ließen sich verköstigen.

Rossbach hatte es auch den Nachbargemeinden wieder einmal gezeigt, denn keine andere Gemeinde hatte ein derart großes und beeindruckendes Gemeindehaus vorzuweisen. Er stand auf, um sich unter seine Wähler zu mischen. Am Honoratiorentisch gewinnt man keine Wahlen, war sein Motto. Nachdem er einen Schwung Hände gedrückt hatte, bemerkte er, dass ihm ein älterer, aber ungemein sportlicher Herr folgte. Er wandte sich ihm zu und erkundigte sich, wie es ihm ginge und ob ihm das schöne neue Gemeindehaus auch gefiele. Der alte Mann nickte und antwortete, es gefiele ihm sehr gut. Ob denn der Herr Bürgermeister an den nächsten Tagen einen Moment Zeit für ihn hätte, fügte er hinzu. Vorsichtig befragte ihn der Bürgermeister, worum es ginge. „Um eine Erbschaftsangelegenheit“, antwortete Edgar Leitner, „um meine eigene.“ – „Natürlich, mein lieber Herr“, sagte Rossbach, „ich stehe Ihnen zur Verfügung. Wo kann ich Sie finden?“

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