(67) „Krass“, meinte Claudia.

„Krass“, meinte Claudia. „Naja, warum sollte der alte Herr anders sein“, warf Jacqueline ein. „Aber das war richtig gemein von euch. Ihr seid Schweine.“ Stefan und Oliver feixten. Stefan nahm einen Schluck aus der Flasche. „Unser Vater hatte es bestimmt auch nicht leicht, bei unseren Großeltern.“ – „Bestimmt nicht, und das hat er an uns weiter gegeben. Ich glaube nicht, dass wir etwas gemacht haben, das er zu seiner Zeit nicht auch gemacht hätte“, fügte Stefan hinzu.

„Wie sind denn eure Großeltern?“, fragte Jacqueline. „Härtegrad Elf“, erwiderte Stefan. Oliver nickte.

Josef und Maria Rehberg lebten streng nach der Bibel und hatten die Furcht vor Gott zum Leitmotiv ihres Daseins auserkoren. So hatten sie ihre Kinder erzogen und, wenn sie Gelegenheit dazu hatten, auch ihre Enkel. Werner Rehberg hatte seine Eltern mit der Zeit nur noch sporadisch besucht. Er war zwar erwachsen, hatte ein erfolgreiches Leben und wurde von vielen Menschen respektiert, allein seine Eltern sahen in ihm nur einen armen Sünder, der den Weg zu Gott verloren hatte.

„Sie waren Fundamentalisten, bevor es den Ausdruck gab“, klagte Stefan. „Schon als Kinder wollten wir nicht mehr hin, es war stinklangweilig und manchmal einfach unerträglich.“ – „Ein Spruch kam ständig wieder: ‚Ach Gott, wolltest du doch die Gottlosen töten!'“ – „Oh ja“, pflichtete Stefan bei, „Psalm 139. Der Klassiker.“

„Irgendwann, als sie nicht mehr so gut zu Fuß waren, haben sie sich einen Fernseher gekauft. In all den Jahren wurde er aber nur am Sonntagvormittag eingeschaltet, wenn die Übertragung der Messe lief.“

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