(6) Nach dem Spaßbad in Espoo jetzt Heinola…

Nach dem Spaßbad in Espoo jetzt Heinola. Nächstes Jahr würde man sie wahrscheinlich zum Frauentragen nach Roinkainen schicken. Sonja Pekkanen ergriff den Zimmerschlüssel mit dem riesigen Kugelanhänger und stieg die Treppe hoch.

Reportage über die Sauna-WM in Heinola also. Das Konzept war einfach: Alle 30 Sekunden wurde ein halber Liter Wasser über die heißen Steine geschüttet und man wartete ab, wer es am längsten aushielt. Abwischen war verpönt und Alkohol war den 131 eingeschriebenen Teilnehmern während der Wettkämpfe verboten, zumindest theoretisch.

An den zwei Wettkampftagen im August schwoll die Bevölkerung von Heinola um elf Prozent an. Die Hotels waren ausgebucht und nur mit großer Anstrengung hatte Sonja noch ein Zimmer ergattern können. Die Pension war nicht sehr einladend, aber für zwei Nächte in Ordnung.

Sie hatte noch etwas Zeit und schaltete den Fernseher ein. Es lief ‚Lederstrumpf‘. Als sie Natty Bumppo erkannte, musste sie unvermittelt an ihre Schwester Marika denken. Am Ende hatte die Polizei befunden, dass der Tod des Vaters ein Jagdunfall gewesen sein musste, aber sie konnten Marika nicht finden, um sie selbst zu fragen. Nur Marikas Silberarmband mit dem eingravierten Namen hatte man gefunden. Sonja hatte der Polizei nichts erzählt. Es war eine Befreiung gewesen, dennoch dachte Sonja traurig an den Tag zurück, an dem sie ihre gesamte verbliebene Familie verloren hatte.

Vor der Bühne mit der verglasten Sauna drängten sich Hunderte Zuschauer und feuerten die Wettkämpfer an. Diese saßen stoisch in der gleichen Pose (Ellbogen auf den Knien, Oberarme senkrecht) auf ihren Plätzen und stierten durch die Fenster auf die Menge. Einer nach dem anderen erhob sich irgendwann ganz schnell und stürzte aus der Tür, um von der Menge johlend empfangen zu werden. Bis nur noch einer übrig blieb, der die Sauna aber ohne Hilfe verlassen musste, um nicht disqualifiziert zu werden.

Über einen Monitor im Pressebereich verfolgte Sonja das Geschehen auf der Bühne. Die Temperaturanzeige der Saunakabine zeigte 113°C. Sie wollte zwei Teilnehmer interviewen, den Sieger und den Verlierer, der als erster aus der Kabine geflüchtet war. Beide kamen, nachdem das Geschrei der Menge abgeebbt war. Sie trugen Bademäntel, unter denen ihre Körperbehaarung glitzerte und sahen so rot aus, als ob sie geradewegs aus der Hölle kämen. Sonja stellte sich vor und bat Mikko, den Sieger, und Aki, den Verlierer, sich neben sie zu setzen. Das Interview konnte beginnen.

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