(51) Deshalb ist es klar, dass Ultrahochvakuum im Allgemeinen…

„Deshalb ist es klar, dass Ultrahochvakuum im Allgemeinen und Titan-Sublimationspumpen im Speziellen nicht ohne Ausheizen funktionieren können. Das war’s für heute. Schönen Tag noch, die Herren.“ Prof. Daubner, der Vakuumpapst, klappte sein Notizbuch zu und verstaute es in seiner Aktenmappe. Bevor er den Reißverschluss zugezogen hatte, flitzte Alexander Fellner bereits aus dem Hörsaal hinaus. Vakuumtechnik war nicht sein Lieblingsfach, die Lehre von der Leere fand er irgendwie unbefriedigend. Die Vorlesungsreihe war aber Pflicht für sein Studium der Mikrosystemtechnologie.

Schon als Kind hatte er sich in die Konstruktion von sehr kleinen Schiffs- oder Flugzeugmodellen geflüchtet. Mit ruhigen Fingern eine Pinzette unter einem mächtigen Vergrößerungsglas oder einem Mikroskop zu führen, war für ihn der Eintritt in eine andere Welt. Bei seiner Studienwahl hatte er kurz auch Neurochirurgie erwogen, es aber schnell wieder verworfen, weil menschliches Gewebe ihm zu unordentlich vorkam.

Alexander hatte seiner Mutter versprochen, ihr als Mustersohn bei einem Fundraising-Cocktail zur Seite zu stehen. Zuvor musste er noch in seine Wohnung fahren, um sich dort umzuziehen. Sein Fahrrad stand gleich hinter der Bibliothek.

Als er auf dem Weg dorthin um eine Ecke bog, stand er plötzlich hinter einer Gruppe von etwa zehn Schwarzvermummten, denen auf zwanzig Meter Entfernung ein Trupp Bereitschaftspolizisten gegenüberstand. Alexander blieb wie angewurzelt stehen. Es war, als ob er sich in einen Film verirrt hätte. Als einige Männer vor ihm anfingen, mit aufgelesenen Kieselsteinen nach den Polizisten zu werfen und sie mit Schmährufen anschrien, sah es schon sehr echt aus. Alexander war unentschlossen. Sein Kremastermuskel zog sich zusammen, sein Mund wurde trocken und seine Hände schwitzten. Offensichtlich war er nicht vermummt, warf nicht mit Steinen und gehörte daher nicht zu den Rowdies. Er musste zu seinem Fahrrad.

Die Polizisten kamen langsam näher. Er sah ihre Knüppel und ihre klobigen Gelenkschützer. Als er noch unschlüssig da stand, fingen die Polizisten wie auf Kommando an, mit erhobenen Knüppeln nach vorne zu sprinten. Die Vermummten, zwischen denen Alexander stand, stoben auseinander. Nur Alexander blieb stehen. „Bitte, ich muss da dur…“, konnte er noch sagen, da traf ihn ein Knüppel am Kopf und bevor er auf dem Kieselboden ankam, war er bereits bewusstlos.

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