(44) Prof. Wobb hatte die Schweinerei nicht selbst gesehen.

Prof. Wobb hatte die Schweinerei nicht selbst gesehen. Daher fiel es ihm leicht, das Ereignis unter Katharsis abzulegen. Auf jeden Fall hatte das Frühstück mehr auf dem Campus bewegt, als die meisten Vorlesungen. Vielleicht wäre eine solche Kur auch für den Lehrkörper ab und zu ganz hilfreich. Leerkörper. Er schmunzelte und legte die Pfeife in den Aschenbecher.

Thurow hatte er eine Verwarnung erteilen müssen. Bei aller geheimen Sympathie: Thurow war einfach zu dumm. Er hatte die Flasche des Brechmittels einfach in seinen Abfalleimer geworfen, wo die Putzfrau sie fand. Zufälligerweise war es die Schwester der Frau, die für die Wiederherstellung der Cafeteria zuständig war, nachdem der Hausmeister eine Grobsäuberung mit dem Hochdruckreiniger vorgenommen hatte. Prof. Wobb hatte Zweifel, dass die Gardinenpredigt, die er eben gehalten hatte, etwas bei dem Studenten bewirken würde. Thurow war einfach ein Idiot, der es im Leben zu nichts bringen würde.

Lester Wobb schloss die Schublade seines Schreibtischs auf und entnahm das Manuskript, an dem er bereits seit sieben Jahren schrieb, allerdings mit großen Unterbrechungen.

Eigentlich war Wobb Professor für Altgriechische Philologie mit einer Spezialisierung auf Theater. Es hatte sich einfach so ergeben. Viele Jahre seines Lebens hatte er mit dem Studium der Werke Euripides verbracht. Als sein Studienfach anfing, ihn zu langweilen, war es bereits zu spät gewesen. Wie bei einem Klempner, so kam es ihm vor, hatte sich sein Leben immer weiter entwickelt. Doktor, Heirat, Professur, Vaterschaft. Später, als er dachte, dass er es nicht länger aushielt, war er Dekan geworden und konnte endlich Euripides & Co. an den Nagel hängen. Aber bald ödeten ihn die Verwaltungsvorgänge ebenso an wie griechische Tragödien, mit denen sie viel gemeinsam hatten.

Irgendwann hatte er als Nebenbeschäftigung mit dem Schreiben eines Kriminalromans angefangen. Später hatte er aber aus innerer Lähmung damit aufgehört. Erst als seine Frau ihn verlassen hatte, fand er neuen Mut. Er überarbeitete den ersten Entwurf des Manuskripts und führte ihn fort. Wenn es so weiterging, würde er die Geschichte in zwei Monaten abgeschlossen haben. Er strebte auf jeden Fall eine Veröffentlichung an, mit Sicherheit unter Pseudonym. Dafür hatte er mit Anagrammen seines Namens experimentiert. Am besten gefiel ihm ‚Bret Bowles‘. Es hatte etwas Absolutes an sich. Es klang sehr männlich. Er schlug den Manuskriptstapel auf und fing an zu lesen.

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