(41) Beschwingt spazierte Adele weiter.

Beschwingt spazierte Adele weiter. An einem Schuhladen erblickte sie sich im Schaufenster in der verspiegelten Säule. Sie lächelte sich an. Diesem alten Chauvinisten hatte sie es gezeigt. Sie stutzte und drehte sich um. Genau, das war Rita, die gerade mit mehreren Einkaufstüten bepackt hinter ihr vorbeiging. „Wohin des Weges, Frau Leitner?“, rief sie ihr nach. Rita blieb stehen. „Adele!“, freute sie sich und breitete die mit Einkaufstaschen behängten Arme aus, so als ob sie wegfliegen wollte. „Werden die Waren knapp oder hast du Angst vor der Inflation?“, meinte Adele, als sie Rita auf die straffen Wangen küsste. „Eine Haut wie ein Kinderpopo“, fügte sie hinzu. „Aber fünf Mal teurer“, gluckste Rita. „Du siehst aber auch ganz zufrieden aus.“ – “ „Man tut, was man kann und schaut nicht, wie die Jahre fliegen. Aber mal ehrlich, für wen kaufst du so viel Zeug ein?“ – „Ich liebe Shopping! Wenn es mir schlechtgeht, hebt es meine Laune ungemein. Wenn es mir gutgeht, dann wird’s noch besser. Ich weiß, wir sind da anders, du und ich.“ – „In der Tat. Wie geht es Edgar?“ – „Edgar geht es blendend. Er ist seit einer Woche in London und wenn er zurückkommt, bin ich schon bei den Frühjahr-Sommer-Défilés in Paris. Letztes Jahr wollten wir zusammen Urlaub machen. Es war eine Katastrophe. Wir waren beide am Ende und mussten uns erst einmal voneinander erholen.“

Rita machte eine kurze Pause und fragte Adele: „Und du? Hat sich bei dir irgendwas ergeben? “ – „Wenn du, wie ich vermute, Männergeschichten meinst, muss ich dich enttäuschen. Es hat sich bei mir nichts geändert, ich komme immer noch sehr gut ohne sie zurecht. Diese haarigen Biester!“

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