(40) „Und so“, fuhr Guiseppe fort…

„Und so“, fuhr Guiseppe fort, „habe ich quasi meine Unschuld verloren. Der erste Schritt war getan. Und seitdem bin ich den Frauen verfallen.“

Adele, die ihm gegenüber saß, betrachtete ihn kritisch. Mit den Fingern ihrer rechten Hand drehte sie die Ringe an ihrer linken. Sie sagte nichts. Eigentlich hatte sie sich etwas vom Einkaufsstress erholen wollen. Und eigentlich wollte sie ihre Ruhe. Dann war dieser schrumpelige Westentaschencasanova aufgetaucht und hatte angefangen, sie mit Worten einzuspinnen. Einerseits war es nett, mal mit einem Mann zu reden, bei dem sie nicht die ganze Konversation allein bestreiten musste. Andererseits schien ihr Guiseppe mit seiner selbstsicheren Art eine wirkliche Plage zu sein. Er glaubte im Ernst, dass er Adele beeindrucken konnte. Er schenkte sich noch etwas Bier aus der Flasche nach.

„Verstehen Sie mich nicht falsch. Natürlich nicht allen Frauen. Sie müssen Klasse haben. Das gewisse Etwas, ich kann es nicht beschreiben.“ Adele schwieg weiter. Frauen, die gar nichts sagten, waren Guiseppe unheimlich. „SIE haben Klasse, große Klasse. Das habe ich sofort gesehen, als Sie hereingekommen sind. Es war, als ob sich das Licht veränderte, als ob Sie gleich im Scheinwerferlicht standen.“

„Sie finden also, dass ich Klasse habe?“, fragte Adele freundlich. Guiseppe nickte, erleichtert, dass sie endlich am Gespräch teilnahm. „Wie können Sie das denn abschätzen?“

Getrieben von einer freudigen Erregung, die nur sie spürte, nahm Adele die Bierflasche, die vor Guiseppe stand, setzte die Öffnung an ihre Lippen und trank sie in einem Zug aus. Guiseppes entgleistes Gesicht freute sie. „Ich muss jetzt wieder los. Danke für die Einladung. Auf Wiedersehen.“ Adele griff ihre Handtasche und verließ das Café.

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