(40) Als Ralf wieder in seiner Wohnung war, hatte er Daisy immer noch im Kopf.

Als Ralf wieder in seiner Wohnung war, hatte er Daisy immer noch im Kopf. Eigentlich wollte er weiter an dem mathematischen Modell des Thompson-Spencer Postulats arbeiten, aber er konnte sich nicht konzentrieren.
In solchen Fällen ging er online und schaute sich auf Flickr Fotos an, die in einer Primzahlen-Gruppe zusammengestellt waren. Das fokussierte seine Aufmerksamkeit auf jeden Fall.
Ein Rennwagen in rasanter Kurvenfahrt, bei dem Steine zur Seite wegspritzten. Startnummer 269 auf der Motorhaube. – Der 269. Tag eines Nicht-Schaltjahres war der 26.9.
Ein unheimliches Haus in einem Schneegestöber. Davor eine Reihe von fünf Mülltonnen. Auf der mittleren war ‚193‘ mit weißer Farbe aufgepinselt. – Der Unterschied zwischen Produkt und Summe der ersten vier Primzahlen.
Eine alte Straßenbahn der städtischen Verkehrsbetriebe irgendeiner Stadt. Auf dem unteren olivgrün gestrichenen Teil des Wagens in Gelb die Zahl 359. – Kordemskis 359 Moskauer Rätsel. Eines von Ralfs Lieblingsbüchern.
Eine Petrischale, in der schwarze Einschlüsse in der Nährlösung zu sehen waren. Mit Filzmarker war die Oberfläche mit ‚137‘ beschriftet. „Ha“, dachte Ralf verzückt, „hier haben wir die Feinstrukturkonstante und das Feynmanium gleichzeitig. Eine schöne Zahl.“ Er klickte weiter.
Ein verschwitzter Marathonläufer mit Haarausfall an der Stirn, die von einem breiten Stirnband überquert wurde. Über dem Bauch war ein weißes Tuch mit Sicherheitsnadeln befestigt, darauf die Zahl 311. – Die kleinste dreistellige Primzahl, die die Summe war von drei weiteren dreistelligen Primzahlen, nämlich 101, 103 und 107.
Ein Schlüssel, der an einem Haken hing, und in dessen Kopf die Zahl ’79‘ eingraviert war. – 79 war die Differenz zwischen zwei hoch sieben und sieben hoch zwei.
Eine riesige Stahlplatte, die von einer mächtigen Kette am Haken gehalten wurde. In großen weißen Zahlen stand darauf ‚223‘ gemalt. – Die Summe von sieben aufeinanderfolgenden Primzahlen, nämlich von 19 bis 43.
Bei dem nächsten Bild war er zuerst verdutzt. Es stellte eine Zeichnung dar, von einem gefolterten Christus, dem die Unterarme fehlten und der in einem Blutmeer stand, in dem andere Köpfe schwammen. Daneben stand „Slayer“ und „Christ Illusion“. Es war wohl das Cover einer Schallplatte. Was Ralf aber zum Stirnrunzeln brachte, war die Zahl auf Christus‘ Brust, die 666. Jemand musste das Foto versehentlich zu den Bildern mit Primzahlen einsortiert haben. Er schreib dem Besitzer des Fotos einen Kommentar, dass 666 natürlich keine Primzahl sei und er das Bild doch aus der Primzahlen-Gruppe entfernen möchte. Außerdem, das schrieb er natürlich nicht, war die 666 eine gewöhnliche Zahl, ohne großen Charme. Zwar war es die 36. Dreieckszahl und ein Zahlenpalindrom, mehr aber auch nicht.

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