(4) Nein, es war immer wieder das Gleiche.

Nein, es war immer wieder das Gleiche. Sie war eben zur Tür hereingekommen und schon schien es ihm wie ein Albtraum. Immer die gleichen Abläufe. Sein Leben bestand nur aus Wiederholungen, und er musste sie über sich ergehen lassen. Es konnte so nicht weitergehen. Alfred wälzte sich auf die andere Seite und zog die Decke über sein Ohr. Er wollte eingeschlafen sein und es nicht merken müssen, wenn sie zu ihm ins Bett steigen würde. Warum hatten sie nicht zwei Schlafzimmer? Warum konnte er nicht einfach ausbrechen aus diesem Trott?

Mit einem Ruck richtete er sich auf, hielt kurz ein und stieg dann aus dem Bett. Mit schnellen Bewegungen zog er sich an und trat in den Flur. Dort stand Stella, noch in ihrem hellen Übergangsmantel, und starrte ihn an. Er legte seine Hand auf ihr Gesicht, drückte sie nach rückwärts in die Küche und knallte die Tür zu. Durch den sich schließenden Spalt sah er noch ihre geschocktes Miene. Alfred verließ die Wohnung. Draußen stand der Nachbar und fragte, was das für ein Geschrei sei. Hinter ihm seine Frau, auf dem Kopf trug sie Lockenwickler. Alfred ohrfeigte ihn, dass er sich um die eigene Achse drehte und verpasste ihm einen Fußtritt, der ihn in die Arme seine Frau beförderte. Dann war Alfred auf der Straße und erwischte zwei Jugendliche, die Plakate an die Hauswand klebten. Dem einen rieb er das Gesicht über den Rauputz, während er den anderen im Schwitzkasten hielt. Der wehrte sich und schlug seinem Angreifer mit der Faust in die Nieren. Alfred war es, als ob sein Kopf immer größer wurde. Seine Zähne schienen in die Breite zu wachsen. Mit einem Schrei entlud sich seine Spannung und er schleuderte die beiden Plakatkleber auf die Straße. Dort wurden sie von einem riesigen Lastwagen überrollt, der beim Vorbeifahren eine blendendweiße Staubwolke aufwirbelte.

Dahinter erschien wie aus dem Nichts eine Gruppe von Motorradfahrern, die auf Alfred zu brausten. Ihr Anführer schwang eine Kette, mit der er im Vorbeifahren Alfred treffen wollte. Alfred ergriff im letzten Augenblick die Kette und zog den Biker von seiner Maschine. Mit der Waffe schlug er jetzt selbst auf die darauffolgenden Motorradfahrer ein. Am Ende lag um Alfred herum ein Haufen ineinander verkeilter Motorräder. Dazwischen schauten die Helme, Arme und Beine ihre Fahrer hervor. Alfred warf die Kette weg. Er hatte sie alle besiegt und reckte die Arme triumphierend gegen Himmel. Er hatte es ihnen allen gezeigt. Alfred wachte auf und wälzte sich noch einmal auf die andere Seite. Stella lag jetzt neben ihm und schien noch wach. Es konnte so nicht weitergehen. Nein…

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