(39) In der Nacht hatte Guiseppe einen Traum.

In der Nacht hatte Guiseppe einen Traum. Er war noch ein Junge und es war lange, bevor sein Vater krank wurde. Der Sommer war fast vorbei und die Tage waren wieder kürzer geworden. Seine Eltern feierten ein Gartenfest. Die ganze Nachbarschaft war eingeladen sowie Familie, Freunde und Bekannte. Der Garten war mit Lampions beleuchtet. Es gab zu essen, zu trinken… Alle waren fröhlich und ausgelassen. Auch der kleine Guiseppe hatte von einigen Gläsern genascht, nicht sehr viel, aber er spürte den Alkohol in seinen Beinen und im Kopf. Um wieder etwas zu sich zu kommen, durchquerte er den Garten bis ganz nach hinten zu dem großen Abhang und wollte sich hinsetzen. Als er an seinem Lieblingsplatz ankam, saßen dort schon Dorothea und Loretta, zwei Freundinnen seiner Mutter. Er mochte beide sehr gern, denn sie waren immer schick gekleidet, hatten viel Zeit und dufteten sehr gut. Seine Mutter mochte die beiden auch, aber sie wollte sie auf keinen Fall allein mit ihrem Mann lassen. Sie meinte öfter, ohne dass Guiseppe es verstand, man könnte den beiden nicht über den Weg trauen. Dori und Lori, wie seine Mutter die beiden nannte, empfingen Guiseppe mit großem Hallo. „Endlich mal ein richtiger Mann“, sagte Dori. Worauf Lori ihn aufforderte, er solle doch mal seine Muskeln zeigen. „Hast du denn eine Freundin?“, bohrte Dori. „Dafür ist er doch noch zu jung.“ – „Aber du kannst doch bestimmt schon küssen?“ Guiseppe nickte. „Dann zeig mal.“ Guiseppe gab Dori einen Kuss auf die Wange. „Das war kein richtiger Kuss. Pass mal auf.“ Lori kicherte. Dori legte ihre Hände um seine Wangen und zog seinen Kopf zu ihrem. Guiseppe schien der Kuss eine Ewigkeit zu dauern. Es war, als ob Dori ihm gleichzeitig sein altes Leben aussaugte und ihm ein neues einflößte. Nach Dori wollte Lori sein Kennerurteil erhalten, wer von den beiden am besten küsse. Guiseppe war bald komplett schwindlig. Am Ende schärften ihm die beiden ein, dass er auf keinen Fall seiner Mutter oder sonst jemandem davon erzählen dürfe, sonst gäbe es Ärger. Davon war Guiseppe überzeugt.

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