(358) Bert Zanner hatte Bauer Kube kennengelernt, als er auf dessen Hof ein paar Vogelstudien unternommen hatte.

Bert Zanner hatte Bauer Kube kennengelernt, als er auf dessen Hof ein paar Vogelstudien unternommen hatte. Er arbeitete in der Vogelarchivabteilung des Naturwissenschaftlichen Museums. Kube war sehr gastfreundlich gewesen und die beiden hatten sich angefreundet.

Nachdem Zanner aber immer weniger Forschung und immer mehr Verwaltung betrieb, gab es kaum Anlässe, dass sie sich trafen. Kube hatte Zanner nicht gesagt, dass er nach Südamerika auswandern wollte. Daher war der Wissenschaftler erstaunt, als er ein Paket von Kube erhielt, in dem er ihm von seinen Veränderungen berichtete, sowohl was den Hof anging als auch die Trennung von Doris.

Sehr aufmerksam las Zanner als Kube ihm erklärte, wie er zu dem anliegenden Vogel gekommen war. Zanner nahm den toten, aber bereits präparierten Papagei aus der Schachtel und klemmte ihn zur Betrachtung in ein Stativ. Wie Kube schrieb, war es ein seltsamer Vogel. Er sah aus, wie ein Großer Ara (Ara macao), aber die Färbung des Körpers passte nicht dazu. Am nächsten Tag nahm er den Papagei mit ins Archiv, um ihn mit anderen Exemplaren zu vergleichen. Zanner öffnete einen großen Schrank, in dem in vielen Schubladen hunderte präparierte Papageien aus dem Amazonasgebiet auf das Jüngste Gericht warteten. Er verglich Kubes Fund mit den bereits bekannten Aras. Es war nicht nur die Farbe des Rumpfes, die abwich. Der Papagei hatte auch eine leicht andere Kopfform. Systematisch arbeitete er die Sammlung durch und suchte nach Übereinstimmungen. Er kam aber nicht weiter. Erst als er versehentlich, eine der Schubladen des Hyazinth-Aras (Anodorhynchus hyacinthinus) öffnete, fiel ihm die Übereinstimmung des Federkleids auf. Er verglich Kubes Ara mit dem Großen und dem Hyazinth-Ara. Kubes Vogel musste eine Kreuzung aus den beiden anderen sein. Aber das war eigentlich unmöglich, da dies bisher noch nie passiert war, seit es Aufzeichnungen gab.

Zanner war elektrisiert. Er schickte Kube ein Update seiner Recherchen und fragte ihn, ob es noch mehr von diesen Vögeln gab. Kube antwortete ihm, dass er noch keinen anderen gesehen habe. Die Eingeborenen, mit denen er darüber sprach, hielten Kube für verrückt, weil sie diese Mischung bei einem Papagei noch nie gesehen hatten. Kube war zerknirscht, als ihm klar wurde, dass er wahrscheinlich das einzige Spezimen dieser Art geschossen hatte. Zanner wollte ihn trösten und benannte die Art des toten Papageis nach ihm, ‚Ara kubensis‘.

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