(348) Diana legte das Buch mit den ‚Pikanten Voyeurgeschichten‘ bäuchlings auf das Sofakissen…

Diana legte das Buch mit den ‚Pikanten Voyeurgeschichten‘ bäuchlings auf das Sofakissen und streckte den Arm nach der Glasschale auf dem Tisch aus. Sie griff hinein und fischte eine Haselnusspraline heraus, die sie genüsslich auspackte und in den Mund steckte. Die Bestrafung des ‚Vogelbeobachters‘ hatte ihr gefallen. Sie empfand es als befriedigend, dass die Strafe, zumindest in dieser Geschichte, der Tat kurz auf dem Fuß folgte. Dann fiel ihr ein, dass die Frau des Voyeurs die Tat ja nur entdeckt hatte, weil sie selbst die Nachbarn ausspionierte. Allerdings, dachte Diana, lag der Fall hier anders. Immerhin wusste Frau Linge nicht, was in dem Lager vor sich ging und nutzte die Kamera quasi nur als Sehhilfe. Der Badezimmervoyeur hingegen hatte seinem Opfer aufgelauert und es aus dem Hinterhalt fotografiert. Sie überlegte, ob man sie auch im Bad oder im Schlafzimmer beobachten konnte. Tagsüber war das unwahrscheinlich, aber abends, wenn es draußen dunkel war und sie Licht anhatte, war das nicht ausgeschlossen. Sie nahm sich vor, künftig besser darauf zu achten.

Das Buch hatte sie sich eigentlich nur gekauft wegen der Umschlagsillustration: Ein Mann im Frack küsste leidenschaftlich eine Frau im Abendkleid und draußen vor dem französischen Fenster versteckte sich ein anderer Mann im Frack und schaute ihnen wie gebannt zu. Der Mann draußen hatte sie an ihren Onkel Egbert erinnert, der oft zu Besuch kam, als sie noch ein Kind war. Er war immer sehr lustig gewesen und sie hatte es schade gefunden, dass ihre Eltern mit Onkel Egbert irgendwann Streit bekommen hatten und er nicht mehr zurückkehrte. Sie bedauerte, nie gefragt zu haben, was damals eigentlich vorgefallen war. Jetzt war es zu spät, sie würde es nie mehr erfahren. Sie drehte das Buch wieder um und las die nächste Geschichte.

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