(347) Trotz des Reichtums war ein Leben im Rollstuhl voller Entbehrungen.

Trotz des Reichtums war ein Leben im Rollstuhl voller Entbehrungen. Neben den Autorennen fehlte Eugene Scott der Sex am meisten. Natürlich war er von der Taille aufwärts immer noch Herr seiner selbst, aber das war nur ein schwacher Trost. Seine Lenden waren verdorrt und damit auch die Lust, selbst aktiv zu werden. Er schaute allerdings gerne zu. Vielleicht aus Masochismus, denn es machte ihm umso schmerzlicher klar, dass er nur ein Krüppel war. Sollten die Psychologen sich doch damit abgeben. Eugene war niemand, der seine Gefühle hinterfragte, er agierte.

Nachdem er sein Problem erkannt hatte, suchte er nach einer Lösung. Und als er eine Lösung hatte, setzte er sie um. Es dauerte einige Zeit, bis er es geschafft hatte. Grace war zuerst gar nicht einverstanden gewesen, aber Eugene war es nicht gewöhnt, dass man seine Wünsche nicht erfüllte. Weder vor dem blöden Unfall mit dem Maserati T61, noch danach.

Seine Lösung sah folgendermaßen aus: Eugene suchte andere Männer, die reich waren und aus diversen Gründen an einen Rollstuhl gefesselt waren. Außerdem sollten sie schöne, junge Ehefrauen haben. Eigentlich suchte er Männer, die seine Situation spiegelten. Er fand elf. Lustig, dachte er, wenn wir nicht alle im Rollstuhl säßen, könnten wir Soccer spielen. Aber das war ja erst die Eintrittshürde. Er musste sie davon überzeugen, bei seinem Plan mitzumachen. Danach blieben fünf übrig. Das war die sogenannte Selbsthilfegruppe. Die Aktivitäten der Gruppe bestanden darin, dass die Herren sich zusammen mit ihren Frauen an wechselnden Orten trafen, sich dazu Callboys mieteten und dabei zusahen, wie ihre Frauen Sex hatten. Abseits von dem sexuellen Teil der Treffen tauschten sich die Männer auch über sonstige Fragen des Alltags oder des Geschäftslebens aus. Dabei entstanden ganz wunderbare Freundschaften. Einer der Männer, ein Viehbaron namens Earl Walker, der etwa 10 Jahre älter war als Eugene, wollte nur bei seiner Frau zusehen und war auch dagegen, dass andere dabei waren. Das war in Ordnung, fand Eugene. Wenn man die Regeln zu streng auslegte, sprangen die Leute ab.

Einmal rollte Eugen auf Earl zu, der traurig vor dem prasselnden Kamin saß. Die anderen schauten gerade bei einer hoch komplizierten Gruppenperformance der Frauen mit den Callboys zu. „Na Earl, was machen die Rinderpreise?“ Earl winkte ab. „Ich bin froh, wenn es hier vorbei ist.“ Eugene war erstaunt über die weinerliche Stimme Earls, ein Mann der im Laufe seiner aktiven Zeit bestimmt Tausenden von Kälbern sein Brandzeichen aufgedrückt hatte und sich währenddessen freute, weil es nach Steak roch. „Es macht mich fertig, wenn sie von diesem Muskelpaket gefickt wird.“ Das Feuer prasselte munter im Kamin und konsumierte die Holzscheite. Eugene hätte am liebsten gesagt, dass er es pervers von Earl fand, zu den Treffen zu kommen und es dann nicht einmal zu genießen. Aber er wollte den alten Mann nicht kränken. Dennoch: wenn Earl seine Meinung nicht änderte, dann sollte er nicht mehr kommen. Ein fauler Apfel verdarb die ganze Ernte.

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