(346) Und noch ein Wagen, aus dem ein junger, athletisch aussehender Mann ausstieg…

Und noch ein Wagen, aus dem ein junger, athletisch aussehender Mann ausstieg und im Haus verschwand. Cliff Reynolds legte das Magazin weg und schaltete das Autoradio ein. Wahrscheinlich würde er noch einige Stunden auf seine Kunden warten müssen. Aber so war der Job eines Chauffeurs. Bei seinen Kunden, die sich als Eugene und Grace Scott vorgestellt hatten, konnte die Frau wohl nicht fahren. Eugene war gelähmt und Cliff hatte ihm beim Einsteigen aus dem Rollstuhl helfen wollen. Das wollte Eugene aber nicht und dann hatte Grace ihm geholfen. Grace war um die dreißig und, wie Cliff fand, eine ziemlich heiße Nummer. Eugene musste viel Geld haben, denn neben seiner Behinderung war er dreißig Jahre älter als sie und generell recht missmutig. Sie hatten ihm während der Fahrt erzählt, dass sie auf dem Weg zu einem Treffen mit einer Selbsthilfegruppe seien. Cliff, der einen Onkel hatte, der unter Kinderlähmung litt, sagte, dass das bestimmt sehr hilfreich sei.

Aus dem Gespräch seiner Kunden entnahm er, dass Eugene eine Firma gegründet hatte, die sehr erfolgreich war. Nebenbei hatte er eine große Leidenschaft: alte Rennwagen, mit denen er früher Rennen fuhr, die er aber jetzt nur noch anschaute. Cliff fragte sich, ob die Lähmung von einem Autounfall herrührte. Natürlich fragte er nicht, denn es war nicht einmal gestattet, dass er sich anhörte, was seine Kunden erzählten.

Das Treffen fand in einer großen Villa in einem Park statt. Es war offensichtlich kein Treffen von armen Leuten. Wieder half Grace Eugene in den Rollstuhl, den Cliff aus dem Kofferraum genommen hatte. Sie fuhr ihren Ehemann die Rampe hoch ins Haus. „Sie warten hier?“, fragte sie und Cliff nickte.

Zuerst standen nur zwei Autos auf der großen Schotterfläche vor dem Haus und dann kamen noch vier weitere dazu. Die anderen Teilnehmer an dem Treffen waren alle ohne Fahrer gekommen, es war jedes Mal die Frau gewesen, die den Wagen steuerte und dann ihren Mann im Rollstuhl ins Haus schob. Cliff überlegte, dass das Leben seines Onkels bestimmt viel netter wäre, wenn er auch eine so schöne Frau hätte, die ihn zu Selbsthilfegruppen fuhr. Aber sein Onkel vegetierte nur vor sich hin und ging gar nicht mehr aus dem Haus. Es würde schon sehr viel Geld notwendig sein, um seinem Onkel eine Frau zu beschaffen.

Dann wurde es verwirrend für Cliff, als nacheinander sechs weitere Autos ankamen, aus denen die besagten jungen, athletischen Männer stiegen. Ob das Trainer waren, die mit den Krüppeln Übungen machten? War ja alles sehr personalintensiv, dachte Cliff. So was konnten sich nur die Reichen leisten. Er stellte den Sitz etwas nach hinten, machte das Radio aus und stellte seinen Handywecker auf eine Stunde später. So konnte er ein bisschen die Augen schließen und war nachher umso frischer.

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