(339) Niemand wollte sich um den Pudel kümmern…

Niemand wollte sich um den Pudel kümmern und so hatte Commissario Borgese ihn erst einmal aufgenommen. Er nannte ihn Barbone. Borgese hatte seit seiner Kindheit Erfahrung mit Hunden und Barbone war sehr angenehm und sehr gelehrig. Vor allem war er gut erzogen und legte sich auf Befehl von Borgese hin und muckste sich nicht, bis der Commissario es ihm erlaubte.

Der Zwischenfall in der Disco lag drei Wochen zurück und es gab immer noch keine Erklärung. Wenn Barbone sprechen könnte, würde er vielleicht auch nichts beitragen können, es war alles zu vertrackt. Mittlerweile waren einige Rückmeldungen gekommen wegen der Fingerabdrücke und der DNA-Probe des Bullenreiters. Borgese saß am Schreibtisch und schaute die Faxnachrichten durch. Als er die Meldungen gelesen hatte, griff er zum Hörer und bat Commissario Capo Milian auf einen Sprung bei ihm vorbeizukommen.

„Ich hoffe, Sie haben etwas Wichtiges und wollen mir nicht nur den Pudel vorführen“, sagte Milian, als er die Tür hinter sich zuzog. „Das habe ich“, antwortete Borgese. „Wir haben heute Morgen Rückmeldungen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien erhalten wegen der Spuren des Bullenreiters. Der Mann wird dort ebenfalls gesucht.“ – „Ha! Ich wusste es“, sagte Milian triumphierend. „Wer ist es?“ – „Nun, darin liegt die Schwierigkeit.“

Borgese erklärte, dass es bei den Fingerabdrücken oder bei den DNA-Spuren Zusammenhänge mit anderen Todesfällen in diesen Ländern gab. Allerdings waren die Todesfälle zwar mysteriös, aber es war in allen Fällen nicht gesichert, dass es Fremdeinwirkung gab. In Berlin war ein Mann an Herzinfarkt gestorben und in einem Zimmer aufgefunden worden, das von außen versperrt war. In Heidelberg starb eine Frau an einem Schlaganfall, aber sie hatte vor dem Tod Geschlechtsverkehr gehabt und es gab dafür niemand, der in Frage kam. Der Tote in Coventry, auch hier ein Schlaganfall, fuhr im Wagen und es war jemand bei ihm gewesen, der im Anschluss an den Tod einfach verschwand. Der Tote in Lille musste sich gewehrt haben, denn er hatte Haut unter den Fingernägeln, starb aber an einem Herzinfarkt. „Heißt das, unser Bullenreiter hat die Möglichkeit, Leute umzubringen und es dann nach einem natürlichen Tod aussehen zu lassen?“, fragte Milian. Borgese fand, dass dies ein voreiliger Schluss war. „Erst einmal sind das nur Indizien.“ Es klopfte an der Tür und ein Kollege überreichte Borgese ein gerade hereingekommenes Fax. Der Commissario bedankte sich, schaute kurz darauf und sagte: „Noch eine Rückmeldung. Diesmal aus den USA.“ Er las aufmerksam weiter und pfiff leise durch die Zähne. „Was?“, fragte Milian ungeduldig. Auch Barbone hob den Kopf und schaute Borgese aufmerksam an. „Die DNA Spuren des Bullenreiters wurden im Zusammenhang mit dem Tod von James Leavelle in Dallas gefunden.“ – „Ja und wer ist dieser James Leavelle? Muss man den kennen?“, fragte Milian. „Sie kennen zwar seinen Namen nicht, wissen aber, wer er ist. Unser Fall bekommt gerade eine neue Dimension.“

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