(338) Commissario Capo Milian wurde von einem Diener in ein Separee geführt.

Commissario Capo Milian wurde von einem Diener in ein Separee geführt. Bei vertraulichen Themen traf sich Primo Dirigente Catenaccio gerne mit seinen Untergebenen in seinem Club. Es war informeller, wenn auch für Milian nicht weniger unangenehm. Natürlich ging es um die Todesfälle in der Diskothek Life.

Amando Catenaccio kam herein. Er war ein schmaler, großer Mittvierziger, dem man politische Ambitionen nachsagte. Polizeiarbeit schien ihn nur am Rande zu interessieren. Sein Image in der Presse lag ihm allerdings am Herzen. Er setzte sich Milian gegenüber und sagte erst einmal nichts, beobachtete seinen Untergebenen, bis dieser spürte wie ihm der Hemdkragen enger wurde. „Was hat es auf sich mit den Toten in der Diskothek?“, fragte Catenaccio schließlich. Milian führte aus, dass es keine Anzeichen für ein Verbrechen gab. Catenaccio unterbrach ihn. „Das glauben Sie doch selbst nicht. Dreihundert Menschen sterben nicht in der gleichen Sekunde und alles ist normal. Sie müssen etwas Besseres bringen.“ Wieder schaute Catenaccio Milian intensiv an und wartete. „Die Presse wird auch etwas anderes finden, womit sie sich beschäftigen kann…“ – „Reden Sie doch keinen Schwachsinn, Milian. Im Life sind mehr Leute gestorben als bei der bisher größten Discokatastrophe in Brasilien. Das vergessen die Zeitungen nicht. Sind Sie mit dem Fall überfordert?“ Milian protestierte, sagte, dass er alles im Griff habe. „Kann es eine Seuche sein, eine Krankheit… Durch die Klimaanlage… Legionärskrankheit, AIDS… was weiß ich?“ Milian verneinte, alles war überprüft worden. „Verfolgen Sie überhaupt noch irgendeine Spur?“ Da er nichts Besseres hatte, erzählte Milian von den drei Rätseln, die Commissario Borgese aufzuklären suchte. Da war zum einen der Mann an der Bar, der als einziger Mensch lebend gefunden wurde. Als die Rettungskräfte in den Hauptraum mit den Leichen kamen, saß er neben seiner Frau und hatte einen Lachkrampf. Wahrscheinlich als Schockreaktion. Er war untersucht worden und man hatte keinerlei physiologische Besonderheit an dem Mann feststellen können. Er war immer noch in Beobachtung. Milian hatte vorgeschlagen, ihn in Schutzhaft zu nehmen, allerdings wollte kein Richter dem Vorschlag zustimmen. Dann gab es einen Pudel, der ebenfalls lebend in der Disco gefunden wurde und bei dem man nicht feststellen konnte, wem er gehörte. Schließlich berichtete er von dem verschwundenen Bullenreiter, von dem man Fingerabdrücke und eine DNA-Probe hatte. Man hatte ebenfalls herausgefunden, dass er im Derby Hotel eine Nacht gewohnt hatte, aber nach dem Zwischenfall in der Disco dort nicht mehr gesehen wurde.“ – „Aber das ist doch hervorragend, Milian. Das ist unser Mann. Das werde ich an die Presse geben. Wir haben einen Verdächtigen.“ Milian wollte einwenden, dass man dem Mann aber nichts nachweisen konnte, da kriminaltechnisch überhaupt kein Verbrechen stattgefunden hatte. Aber er hielt den Mund, denn Catenaccio mochte es nicht, wenn man seine Schlussfolgerungen anzweifelte.

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