(314) Während der Abspann von ‚Der Partyschreck lief, wischte sich Helge Mahler die Lachtränen aus den Augen.

Während der Abspann von ‚Der Partyschreck lief, wischte sich Helge Mahler die Lachtränen aus den Augen. Auch Matthias Hohner hatte sich gut amüsiert, wenn auch wohl weniger als Mahler. Sie saßen im Gemeinschaftsraum der Krankenstation. Die anderen Bewohner hatten sich bereits zurückgezogen, weil sie Schwierigkeiten hatten, dem Film zu folgen. „Waren Sie schon mal auf Partys, Hohner?“, fragte Mahler und schaltete den Fernseher auf stumm. Hohner fand die Beiläufigkeit, mit der Mahler alles beherrschte, bemerkenswert. Wahrscheinlich würde Mahler sogar Akkordeon spielen können. Auf dem Bildschirm liefen jetzt die Nachrichten. Männer schüttelten sich gegenseitig die Hände und sprachen vom Bildschirm, aber ohne dass man ihre Worte hören konnte.

Hohner schüttelte nachdenklich den Kopf. „Ich kann mich nicht erinnern.“ – „Das ist ja wie ein roter Faden bei Ihnen“, scherzte Mahler und klopfte sich auf den Schenkel. „Und Sie?“, fragte Hohner zurück, eher um zu abzulenken, als dass es ihn wirklich interessierte. „Oh ja, auf Hunderten von Partys war ich schon. Auf allen möglichen Partys: Geburtstagspartys, Cocktailpartys, Tanzpartys, After-Work-Partys, Toga-Partys…“Er wurde leise. „… Sexpartys!“ Er schaute nach, ob das Besagte bei Matthias Hohner etwas bewirkte. Hohner bemerkte es und tat erstaunt. Er hatte nicht richtig hingehört, denn er beobachtete eine Maschine auf dem Bildschirm, die immer die gleichen Löcher in Blech drückte. Bei vielen Worten fragte sich Hohner, ob er sie schon gehört hatte und ob ihm der Zusammenhang noch einfiel. Und wenn er sich dann eingestehen musste, dass er es nicht wusste, war sein Gesprächspartner bereits ein paar Sätze weiter und Hohner hatte den Anschluss verpasst. „Hier auf der Etage müsste man auch mal so etwas organisieren.“ – „Sie meinen eine Geburtstagsparty?“ – „Mensch Hohner, jetzt seien Sie mal nicht so langatmig. Wer redet denn hier von Geburtstagspartys…“ – „Ich dachte, Sie hätten…“ – „Ein bisschen mehr Konzentration, wenn ich bitten darf. Es geht hier um Sexpartys, oder wie man diskreter sagt: ‚Kuschelpartys!“ – „Hier auf dem Stockwerk?“ – „Ja, das wäre doch mal eine angenehme Abwechslung.“ – „Kuscheln mit Schwester Helene?“ Mahler erschrak richtig, als Hohner dies sagte. „Schwester Helene!“ Sofort senkte er seine Stimme wieder. „Hohner, Sie haben ja alles vergessen. Müssen wir bei den Blumen und den Bienen anfangen?“ Hohner schaute ihn fragend an. „Blumen und Bienen? Klapperstorch? Nie gehört? Nein, sagen Sie nichts.“

Mahler überlegte, ob er Hohner in dieses Neuland einführen sollte. Er hatte eh‘ nichts Besseres zu tun. „Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass es Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt?“ Hohner dachte nach und zeigte dann auf seine Brust. „Ja, Hohner, das ist doch schon mal ein guter Anfang. Das heißt ’sekundäres Geschlechtsmerkmal‘. Oder, wie wir Experten es nennen, ‚Titten‘.“ – „Titten“, wiederholte Hohner lächelnd, während auf dem Bildschirm eine Militärübung der nordkoreanischen Armee gezeigt wurde.

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