(312) Ich versuche, mich zu erinnern.

„Ich versuche, mich zu erinnern“, antwortete der Unbekannte und ließ Greta Danner, die immer noch am Fenster stand, nicht aus den Augen. „Woran?“, fragte Erik Danner verblüfft. „Genau das will ich ja wissen“, antwortete der Mann. „Aber sie beunruhigen meine Tochter. Wer sind Sie?“ – Der Mann schaute Danner hoffnungsvoll an. „Dann hat sie mich also erkannt?“ – „Naja, Sie stehen ja ständig hier.“ – „Nein, von früher. Wer bin ich?“

Nachdem Danner noch einige Zeit vergeblich auf den Mann einredete, nahm er sein Mobiltelefon und rief die Polizei. Als der Streifenwagen kam und zwei Polizisten ausstiegen, bemerkte der Unbekannte sie nicht einmal. „Aha“, sagte der eine Polizist, „Matthias Hohner. Mal wieder.“ – „Sie kennen den Mann?“, fragte Danner. Er erklärte die Situation noch einmal. Er zeigte nach oben zu seiner Tochter, die immer noch am Fenster stand und nach unten winkte. Wieder winkte Matthias Hohner zurück.

„Herr Hohner, Sie kommen jetzt mit uns mit“, sagte der andere Polizist. „Nein“, sagte Hohner. „Ich will wissen, wer diese Frau ist.“ – „Sie ist meine Tochter“, sagte Danner, „und sie will nichts mit Ihnen zu tun haben.“ – „Aber wer bin ich?“. Danner wandte sich an den ersten Polizist. „Ist er verrückt?“ Der Polizist wog den Kopf hin und her. „Er ist verwirrt. Er ist in dem Krankenhaus da vorne untergebracht, aber von Zeit zu Zeit büxt er aus. Eigentlich harmlos, aber man weiß es nicht.“ Hohner diskutierte mit dem anderen Streifenbeamten und wehrte sich, als dieser seinen Koffer nehmen wollte, um ihn in den Kofferraum zu legen. „Wir haben ihn vor etwa drei Monaten im Park gefunden und er wusste nicht, wer er war. Er hatte keine Papiere dabei und auch sonst nichts. Nur den Koffer mit dem Akkordeon.“ Jetzt erkannte Danner, dass der Rollkoffer die Form eines Akkordeons hatte. „Und weil auf dem Akkordeon die Marke stand, Matthias Hohner, haben wir ihm das Pseudonym gegeben. Nur bis herauskommt, wer er denn eigentlich ist.“ Der andere Polizist hatte einen Schokoriegel aus dem Wagen geholt und hielt ihn Hohner hin. Hohner wollte danach greifen, aber der Polizist zog den Riegel wieder weg. „Wenn Sie mit uns kommen, Herr Hohner, dann bekommen Sie den Riegel. Aber Sie müssen schon nett mit uns sein. Wir bringen Sie wieder in Ihr Zimmer zurück.“ Hohner schaute nach oben, aber Greta war nicht mehr am Fenster. Dann blickte er wieder zum Polizisten, der den Schokoriegel hochhielt. „Na gut“, sagte er und setzte sich auf die Rückbank des Wagens. Der Polizist gab ihm den Riegel und schloss die Tür. Sie legten noch das Akkordeon in den Kofferraum und verabschiedeten sich von Danner. Als der Streifenwagen losfuhr, schaute Hohner aus der Rückscheibe Danner an. Er winkte ihm zu. Danner winkte zurück. Dann war der Wagen weg und Danner ging wieder hoch zu seiner Tochter.

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