(307) Als der Armeebus in der Kaserne im Wemyss Way ankam…

Als der Armeebus in der Kaserne im Wemyss Way ankam, begann für Garrett Hanson der Wettlauf gegen die Zeit. Der nächste mögliche Bus fuhr um 20:40 Uhr am Busbahnhof ab und bis dahin brauchte man zu Fuß gute 15 Minuten. Mit dem Auto wäre es natürlich schneller, aber Garrett hatte kein Auto. Autostopp, das hatte die Erfahrung gezeigt, war ebenfalls keine gute Lösung, denn wenn kein Auto kam, konnte er die verlorene Zeit nicht mehr aufholen und wenn er beim Autostoppen lief, hielt kein Auto an. Aber erst einmal musste er hinauf auf seine Stube und sich umziehen. Dabei schaute er ständig auf die Uhr. Als er fast fertig war, kam ein Caporal vorbei und er musste seinen Schrank noch einmal sorgfältiger aufräumen. Garrett flitzte wieder die Treppe hinunter und dann draußen zum Tor der Kaserne. Vor ihm stand schon ein Dutzend anderer Soldaten, die ebenfalls so schnell wie möglich ins Wochenende wollten. Keine Möglichkeit zu fragen, ob sie ihn vorbei ließen. Wieder schaute er auf die Uhr. Als er endlich durch die Schranke durch war, war es 20:28 Uhr. Jetzt musste er laufen, was das Zeug hielt. Erst St. Martin’s Hill hoch und dann wieder runter.

Er hatte Jenny vor einem Monat bei einem Ausgang in London kennengelernt. Dann hatte er sich vor zwei Wochen noch einmal mit ihr getroffen und dabei das ganze Wochenende mit ihr verbracht. Und er hatte bei ihr und mit ihr geschlafen. Eigentlich war dieses Wochenende erst das dritte Mal, dass sie sich sahen. Er wusste nicht, ob es etwas Ernstes war. Aber wenn er an ihren Körper dachte, dann war es ihm auf jeden Fall ernst damit, den Bus nach London nicht zu verpassen. In Canterbury hatte er bisher noch nie Sex gehabt und es gab keine Anzeichen, dass sich dies ändern würde.

Als er unten an dem neuen Gebäude der Universität vorbeikam, war er etwas außer Puste und es war ihm heiß. Er lag gut in der Zeit und ging ein wenig langsamer. Immerhin war es ein positives Zeichen, dass sie ihn zu ihren Freunden mitnahm. Natürlich hätte er sich vorstellen können, das ganze Wochenende mit ihr allein im Bett zu verbringen.

Als er am Kreisverkehr ankam, schaute er wieder auf die Uhr, und es war später, als er erwartet hatte. Er fing wieder an zu Laufen. Dann hinein in die enge Ivy Lane mit ihren niedrigen Ziegelsteinhäusern. Bei der Unterführung unter dem großen St. Georges‘ Roundabout konnte er sich wieder etwas Zeit nehmen. Vor dem Fenwick Kaufhaus merkte er, dass er nur noch drei Minuten hatte. Falls seine Uhr richtig ging. Oder die des Busfahrers, dachte er. Letzter Sprint. Der Bus stand da und es stiegen noch Leute ein. Er war gerettet. Er schickte ihr eine SMS, dass er um 22:20 Uhr in Victoria Coach Station ankommen würde.

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