(291) Willibalds Enkel René war aufgestanden, als Willibald weg war…

Willibalds Enkel René war aufgestanden, als Willibald weg war und Rosalie, die Haushälterin, hatte ihn mit Frühstück versorgt. Jetzt lag er am Pool in der Sonne, hörte Musik über seine Ohrstöpsel und grüßte Willibald mit einer lässigen Handbewegung. Willibald grüßte zurück und setzte sich mit der Zeitung in seinen Liegestuhl etwas abseits unter einen Nussbaum in den Schatten. Nachdem er etwas gelesen hatte, legte er Zeitung und Lesebrille weg und döste ein wenig.

Er wurde von Rosalie geweckt, die ihm das drahtlose Telefon hinhielt. „Monsieur Willi, téléphone.“ Es war Frieder Schubert, der sich in der Heimat um Willibalds Immobilien kümmerte. „Was gibt es, Schubert?“ Willibald Wecker war nicht erfreut darüber aus seinen Träumen gerissen zu werden. Schubert erklärte ihm, dass es Probleme gab mit den Altbausanierungen, die sie beschlossen hatten. „Welche Probleme?“, fragte Wecker. „Nun, wir haben ja diese speziellen Mieter einziehen lassen…“ – „Wovon reden Sie, Schubert? Entweder Sie rufen mich an, wenn Sie frei reden können, oder Sie sprechen Klartext mit mir.“ – „Entschuldigen Sie Herr Wecker. Also: Sie erinnern sich, dass wir beschlossen hatten, einen Motorradklub in das Hinterhaus einziehen zu lassen. Quasi als generationsüberbrückende Maßnahme…“ Wecker brummte in den Hörer, was man als Zustimmung oder als Erstaunen („das wusste ich nicht“) interpretieren konnte.

„Und jetzt?“, fragte er ungeduldig. „Nun, es hat sich Widerstand formiert. Einige der Rentner haben eine Unterschriftenaktion gestartet und machen die ganze Nachbarschaft kirre. Der Bürgermeister rief schon bei mir an und fragte, was denn los sei.“ Schubert machte eine Pause. Wecker sagte nichts. Schubert fuhr fort: „Ich habe mir jetzt folgendes gedacht, Herr Wecker…“ – „Schubert? Eigentlich will ich gar nicht wissen, was Sie im Detail machen. Dafür habe ich Sie eingestellt. Ich hatte erwartet, dass Sie Erfahrung und Ideen haben, wie man vorgehen muss, wenn einem nicht alles in den Schoß fällt. Ich will sicher sein, dass mein Geld arbeitet und dass es nicht auf der faulen Haut liegt. Und noch eins: Ich hoffe sehr stark, dass ich keinen Anruf vom Bürgermeister bekomme, sonst werden wir beide Freude haben. Ist das klar? Haben Sie mich verstanden? Sehr gut. Dann mal ran an die Arbeit. Erfolg im Immobiliengeschäft ist ein Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“ Wecker ließ das Telefon auf die Zeitung fallen und lehnte sich wieder in den Liegestuhl zurück. ‚Amateur‘, dachte er.

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