(289) Es war später Nachmittag, als Guido endlich zu Hause ankam.

Es war später Nachmittag, als Guido endlich zu Hause ankam. Die letzten 24 Stunden waren völlig verrückt gewesen. Er hatte Inga im Flugzeug kennen gelernt, war mit ihr frühstücken gegangen, hatte ihr geholfen, das Gepäck nach oben zu tragen und hatte sie geküsst, kaum dass sie bei ihr in der Wohnung standen. Es hatte bestimmt auch mit dem Jetlag zu tun und der ungewöhnlichen Nacht im Flugzeug, in der er kein Auge zugetan hatte.

Sie hatten sich geküsst, danach hatte sie ihn auf einen Stuhl gesetzt, ihm mit dem Zeigefinger einen Kuss auf die Lippen gepresst und war im Schlafzimmer und im Bad verschwunden. Als sie ihn zu sich rief, lag sie im Bett unter einem seidigen Laken und fragte ihn, ob er ihr nicht noch ein wenig Gesellschaft leisten wollte. Er kam sich vor wie ein Pubertierender. In Windeseile hatte er sich aus dem Auszug gepellt und war zu ihr ins Bett geschlüpft. ‚Wie im Film‘, dachte er während der nächsten Stunden ständig. In ihren Händen fühlte er sich wie Wachs.

Später, als seine Erregung abgeklungen war, schlichen sich immer weitere Fragen in seinen Kopf. ‚Was mache ich hier? Wie soll das weitergehen? Was ist mit Helen?‘

Er stellte fest, dass er in einem realen Traum war, den er aber verlassen musste. Es gab dafür keine Zukunft. Irgendwann sagte er Inga, dass er jetzt nach Hause müsste, und sie schien ihm sehr verständnisvoll.

Als Guido im Taxi nach Hause saß, lächelte er wieder. Er hatte ein unglaubliches Abenteuer erlebt, aber es war gut ausgegangen und niemand würde etwas herausfinden. Er freute sich darauf, Helen wieder zu sehen und überlegte, ihr nachzureisen.

Am nächsten Tag wurde ein Briefumschlag im Büro abgegeben. Er war an ihn persönlich adressiert und enthielt Fotos von ihm und Inga beim Sex. Dazu ein Zettel, auf dem geschrieben stand: ‚€50.000‘. Das war es also gewesen: ein abgekartetes Spiel. Guido stornierte alle Termine für den Nachmittag und zog sich in sein Büro zurück.

Ihm wurde klar, dass es nicht bei €50.000 bleiben würde. Er musste die Bilder und die Dateien bekommen. Er fühlte sich gedemütigt. Gleichzeitig spürte er aber auch die Herausforderung, dieses Problem zu lösen. Er fing an zu planen, wie er es schaffen würde.

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