(285) Gut gelaunt öffnet Bernard Fraser die Tür zu seinem Antiquitätenladen in Oban.

Gut gelaunt öffnet Bernard Fraser die Tür zu seinem Antiquitätenladen in Oban. Er hatte bei einer Versteigerung den gesamten Hausstand einer verstorbenen Witwe gekauft und dabei ein paar sehr interessante Stücke ergattert. Bei ein paar davon hatte er sogar schon Abnehmer. Wie dieser protzige Filmheini Zonfeld, der in Port Appin ein Ferienhaus besaß. Fraser hatte tatsächlich drei Stühle gefunden, die fast identisch zu den drei waren, die er Zonfeld vor einem Jahr verkauft hatte. Er hatte gleich am Vortag angerufen und eine Nachricht hinterlassen.

Fraser schaute die Post durch – nichts Wichtiges. Er musste in drei Stunden in Helensburgh sein, um die ersteigerten Möbel in Empfang zu nehmen. Er beschloss, noch einmal bei Zonfeld anzurufen.

Das Telefon klingelte lange, bevor sich ein Mann mit einem Grunzen meldete. „Mr Zonfeld?“, fragte Fraser und erhielt ein weiteres, bestätigendes Grunzen. „Bernard Fraser hier. Ich hatte gestern eine Nachricht hinterlassen.“ Noch nie hatte Fraser bei einem Kunden eine solche Begeisterung ausgelöst. „Fraser! Großer Gott, endlich! Sie ahnen ja nicht, wie wir nach Ihrer Nummer gesucht haben.“ – „Naja“, sagte Fraser, „die Nummer steht im Telefonbuch. Kein Geheimnis.“ – „Sehen Sie, auf diese einfache Lösung wären wir nicht gekommen. Da sind Sie uns weit voraus. Schön, dass Sie noch einmal anrufen. Ich habe gerade Rupert Morlar, den Regisseur, bei mir. Wir sind sehr gespannt darauf, was Sie für uns haben.“ – „Also Mr Zonfeld, es geht um Stühle…“ – „Aha, Stühle, sehr gut. Ionesco, Dreizehn Stühle… Fahren Sie fort.“ – „Nein, Mr Zonfeld, es sind nur drei Stühle.“ – „Sehr gut, ich sehe. Drei Stühle für drei Akte. Eine hervorragende Idee.“ Fraser war etwas verwundert und fragte sich, ob Zonfeld unter Drogen stand. Bei diesen Filmleuten wäre das nicht verwunderlich. „Ich kann gerne später noch einmal anrufen, Mr Zonfeld, wenn es jetzt nicht so gut passt…“ – „Nein, auf keinen Fall. Mein lieber Fraser. Entschuldigen Sie, dass ich Sie ständig unterbreche, aber es ist die Freude, Sie endlich am Telefon zu haben. Also: wie geht es jetzt weiter mit den drei Stühlen. Wie sehen aus?“ – „Nun, sie sind wirklich identisch zu den drei anderen. Wenn man sie nebeneinanderstellt, wird man keinen Unterschied feststellen können.“ – „Aha, es sind alles insgesamt sechs Stühle.“ – „Ja, die drei, die wir bereits hatten und jetzt drei neue, die bei einer Versteigerung aufgetaucht sind.“ – „Erzählen Sie mehr über die Versteigerung.“

Das war doch nicht zu fassen. Zonfeld machte sich lustig über ihn. Dachte wohl, weil er ein toller Hecht aus London sei, könne er mit Ladeninhabern aus der Provinz so umspringen. Aber da war er an den Falschen geraten. „Wissen Sie, Mr Zonfeld. Ich überleg‘ mir das noch einmal. Ich weiß nicht, ob das etwas für Sie ist. Ich melde mich wieder.“ Fraser legte auf. Er gehörte zum Clan der Frasers of Lovat und er hatte seinen Stolz.

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