(282) „Das Miststück klemmt“, murmelte Jürgen Damm

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„Das Miststück klemmt“, murmelte Jürgen Damm und zerrte an der Pistole. Der Schlitten ließ sich mit Kraft wieder zurück bewegen, aber gebrauchen konnte man die Waffe nicht. Er legte sie auf die Zeitung und las noch einmal den Artikel, der ihn dazu geführt hatte, seine alte Armeepistole aus dem Kellerversteck hervorzuholen.

„Rockergang schlägt Rentner in Schrebergarten: Lebensgefahr!“ Er kannte Otto Pitz vom Sehen. Das und die Brutalität des Angriffs (Knochenbrüche, Prellungen, Gehirnerschütterung, Nasenbruch) hatte ihn tief schockiert. Mit offenem Mund hatte er den Artikel gelesen, besonders den Augenzeugenbericht der Nachbarin, die die Polizei gerufen hatte. Man hoffte, die Schuldigen bald zu finden.

Von einem Augenblick zum anderen fühlte sich Damm wehrlos und dachte daran, dass die Tage sich wieder verkürzten und er seine Abendspaziergänge im Dunkeln machen würde. Er brauchte Schutz und deshalb hatte er sich an die alte Pistole erinnert.

Pitz hatte noch versucht, sich mit Pfefferspray zu wehren, aber das hatte nicht ausgereicht. Damm würde besser vorbereitet sein. Allerdings musste die Pistole erst einmal wieder instandgesetzt werden. Legal ging das nicht, denn er besaß keinen Waffenschein.

Nachmittags fuhr Damm zu einem Waffengeschäft in der übernächsten Stadt, wartete, bis er mit dem Verkäufer allein war und fragte, ob der Laden auch besondere Reparaturen durchführe. Hendrik Bohm, dem Besitzer, war klar, dass Damm kein Polizist in Zivil war, sondern jemand wie er. Ein normaler Bürger, aber nicht ständig mit allen Buchstaben des Gesetzes in Einklang.

Sie gingen in die fensterlose Werkstatt. Damm nahm die Waffe heraus, wickelte sie aus der Zeitung und legte sie hin. Bohm zog Handschuhe über und sah sich die Pistole an. Er pfiff leise durch die Zähne. Es war eine Original FN 1922, die von der Wehrmacht als Pistole 641(b) eingesetzt wurde. Zwei Details waren es, die bei Bohm Freude auslösten: Auf der Visierlinie befand sich ein graviertes ‚W‘ mit einer Krone darüber und am Abzugsbügel der Stempel ‚WaA613‘. Von dieser Waffe gab es weniger als tausend Stück und die meisten davon existierten nicht mehr. Bohm hielt eine Rarität in Händen.

„Woher haben Sie die Waffe?“, fragte er. „Ich weiß es nicht mehr.“ Bohm überlegte kurz, ob Damm log, war aber gleich wieder in die Waffe vertieft. Er bot Damm an, die Waffe gegen eine neue zu tauschen. Damm lehnte ab. Bohm versprach, die Pistole wieder in Stand zu setzen. „Etwa eine Woche, ich rufe Sie an.“ – „Ich komme vorbei, in genau einer Woche“, verbesserte ihn Damm.

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