(277) Es war noch zu früh, um feiern zu gehen.

Es war noch zu früh, um feiern zu gehen. Leon hatte bestimmt, dass sie um 23 Uhr aus dem Haus gehen würden und jetzt war es erst 22 Uhr. Sie saßen in Leons Zimmer, tranken Bier und schaufelten Chips in sich hinein. Leons Eltern waren bei Verwandten und daher war er noch entspannter als sonst. Er blätterte in einer Zeitschrift und Dennis hatte sich aus dem Regal das Guinness Buch der Rekorde gegriffen.

„Weißt Du wie lange die längste Zucchini der Welt war?“, fragte Dennis. „Du wirst es mir sagen“, murmelte Leon und blätterte um. „Zwei Meter 39! Unglaublich. Das ist ja so lang wie ein Elefantenpimmel!“ – „Höre ich da Neid heraus?“ – „Quatsch. Stell Dir mal vor. Müsstest du um den Bauch wickeln.“ Sie lasen weiter. Leon schaute auf die Uhr. Noch fast eine Stunde. Aber es wäre nicht cool, jetzt zu sagen, dass sie aufbrechen würden, da Dennis die Order einfach so akzeptiert hatte. Bescheuert auch, dass sein Fernseher kaputt war. Sie könnten ins Wohnzimmer gehen, aber er hatte keine Lust, noch die Krümel wegzusaugen, bevor die Eltern zurückkamen.

„Hier hör dir das mal an: ‚Der weiße Hai ist der gefährlichste Hai.‘ Blablabla. Jetzt wird es interessant: ‚Von den Opfern von Attacken waren 93% Männer, 5% Frauen und bei den restlichen 2% konnte das Geschlecht nicht festgestellt werden.‘ Hat der Hai den Schwanz abgebissen.“ – „Na schon ein bisschen mehr, sonst könnte man es ja noch feststellen.“ – „Stimmt. Und die Brust. Das könnte man sonst ja auch feststellen.“ – „Und die Bartstoppeln.“ – „Vielleicht sind die Leichen auch zu lange im Meer getrieben und dann haben noch andere Fische dran geknabbert.“ – „Oder sie haben sich aufgelöst“. – „Oah, schon freakig. Kommt so ein Hai und reißt dich auf, dann fressen andere Fische Teile ab und dann löst du dich auf.“ – „Vielleicht wurde es bei den Funden auch einfach nicht angegeben. Von wann sind die Zahlen?“ Dennis schaute nach. „Die sind von 1900 bis 1999.“ – „Naja, da hat man das Geschlecht nicht immer dazu geschrieben und das kannst Du jetzt auch nicht mehr rausfinden.“ – „Vielleicht waren es ja Zwitter.“ – „Jaja, jetzt geht wieder die Samstagnachtfantasie mit dir durch.“ Dennis klappte das Buch zu und schaute auf die Uhr. „Wollen wir nicht jetzt losgehen? Ich langweile mich. Oder wenigstens Fernsehen. Auf dem Gerät deiner Eltern.“ Leon schaute auch auf die Uhr. „Ja, bis wir da sind, ist ja auch später. Wir können los.“

Sie tranken ihr Bier aus und schoben sich noch eine Handvoll Chips in den Mund. Als Dennis seine Jacke anzog, schob Leon die leeren Flaschen unters Bett. Er durfte sie nicht vergessen, denn es würde wieder Zoff geben, wenn seine Mutter sie beim Sauber machen fand. Er wollte sie aber auch nicht in Dennis‘ Anwesenheit wegbringen.

Dann gingen sie nach unten in die Garage. Am Wochenende durfte Leon das Auto seiner Mutter nutzen. Dennis hatte er gesagt, dass es sein Auto war, das er manchmal an seine Mutter verlieh. Auf jeden Fall war es besser als bei Dennis, der sogar am Wochenende mit dem Fahrrad unterwegs war.

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