(259) Obwohl Bernhard bereits seit einem Jahr nicht zum Stammtisch gekommen war…

Obwohl Bernhard bereits seit einem Jahr nicht zum Stammtisch gekommen war, hatte sich nichts geändert. Franz saß am Kopfende, Lulu auf der Bank neben ihm, dann Ingmar und gegenüber Joachim.

Bernhards Platz war frei geblieben. Er trat an den Tisch, klopfte mit den Fingerknöcheln darauf und setzte sich hin. „Ja hallo, der Herr Doktor“, „Bernie, wie kommt’s?“ und ähnliche Sprüche kamen hoch. „Der verlorene Sohn kehrt zurück“, feixte Lulu. „Ich wollt‘ mal vorbeischauen, wie es euch geht“, sagte Bernhard. „Uns geht es wie immer: prächtig“, höhnte Joachim. „Asozial, pervers und arbeitsscheu“, pflichtete Ingmar zu. „Und wie geht es dir, Bernie, in deinem neuen Leben?“, erkundigte sich Franz, „Frau und Stiefkind wohlauf?“ – „Ja“, antwortete Bernhard, „alles in Ordnung.“ – „Macht dein Job bei den Bekloppten noch Spaß?“, hakte Lulu nach. „Na klar, mit denen kommt er sehr gut aus. Sie sind wie Brüder“, prustete Joachim heraus und alle grölten mit.

„Weißt du, Bernie, wir hätten uns schon ein paar Mal fragen können, wie es dir geht“, führte Franz aus, nachdem das Grölen abgeklungen war, „aber es hat keinen von uns interessiert.“

Alle schauten Bernhard an. Er spürte, wie ihm die Zornesröte ins Gesicht stieg, ihm wurde heiß und er wusste nicht, was er antworten sollte.

Als er aufstand, konnten sie ihr spöttisches Grinsen nicht zurück halten. „Grüß die Bekloppten“, rief ihm Lulu hinterher, die anderen lachten nur.

„Ich dachte, ich seh‘ nicht recht“, brach es aus Ingmar heraus, als Bernhard weg war. „Vielleicht wollte er uns ja einen ausgeben, und wir haben ihn verjagt.“ – „Papperlapapp, wer nicht bei uns ist, ist gegen uns“, warf Franz ein und winkte dem Wirt, „noch eine Runde.“ – „Also zurück zum Thema. Machen wir das mit der Disco?“, fragte Lulu. „Ja, natürlich machen wir das, und wenn sie uns nicht hinein lassen, dann prügeln wir uns den Weg frei. Das können die nicht mit uns machen“, antwortete Joachim.

„Ein wahres Wort gelassen ausgesprochen“, pflichtete Ingmar bei. „Auf die Disco“, Franz hob sein Glas, „es wird denkwürdig sein.“

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