(256) Schlagartig wachte Gabriel Beyer auf.

Schlagartig wachte Gabriel Beyer auf. Er registrierte seine Lage. Er lag im Bett in einem weißen Raum. Ein Schlauch steckte in seinem linken Nasenloch. Am rechten Arm war ein anderer Schlauch angelegt, durch den eine Infusionslösung tropfte. Auch aus seinem Penis kam ein Schlauch und aus seinen After. Er war vollständig verschlaucht.

Eine Krankenschwester kam herein und ging wieder hinaus, als sie bemerkte, dass er wach war. Dann kamen ein Arzt und noch ein Pfleger herein. Beim Anblick des Pflegers zuckte Beyer zusammen und schien sich zu fürchten. Der Arzt stellte sich als Dr. Paul vor und versuchte, ihn zu beruhigen. Als er sicher war, dass von Beyer keine Aggressionen mehr ausgingen, schickte er Bernhard, den Pfleger, weg.

Dr. Paul erkundigte sich, wie er heiße. „Gabriel Beyer“, antwortete der Patient ohne zu zögern. „Wo bin ich?“ Dr. Paul erklärte ihm, dass er im Koma gewesen war, nachdem er sich bei einem Fluchtversuch verletzt habe. Davor sei er am Strand gefunden und ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Beyer konnte sich daran nicht erinnern. Er konnte dem Arzt aber den Namen seiner Frau mitteilen, seine Adresse, die Mobiltelefonnummer seiner Frau, bis hin zu seiner eigenen Sozialversicherungsnummer. Es stellte sich heraus, dass er vor fünf Wochen an seinem Heimatort, 300 Kilometer entfernt, verschwunden war und eine Vermisstenanzeige vorlag. Seine Frau eilte noch am gleichen Abend ins Krankenhaus und sie fielen sich in die Arme.

Am nächsten Tag besuchte Dr. Paul ihn am Bett. „Ich denke, wir können Sie nach Hause entlassen. Sie haben eine Amnesie für die Zeit zwischen Ihrem Verschwinden und Ihrem Aufwachen aus dem Koma. Wir können nicht nachvollziehen, wie es dazu kam, dass Sie an den Strand angespült wurden.“ Beyer sah den Arzt mit neutralem Gesichtsausdruck an.

„Dass Sie unseren Pfleger Bernhard in ihren Träumen gesehen haben, ist nicht verwunderlich, schließlich musste er Sie ruhigstellen, als Sie am Anfang handgreiflich wurden. Die Träume, die Sie mir gestern beschrieben haben, könnten aber ein Hinweis darauf sein, dass Sie unbewältigte Konflikte in Ihrer Vergangenheit haben.“

Beyer schien skeptisch zu sein. Dr. Paul fuhr fort: „Eine Therapie könnte für Sie sinnvoll sein. Ich kenne einen Therapeuten in Ihrem Heimatort und ich würde Sie bitten, ihn zu besuchen. Wie gesagt, es gibt nichts, warum ich Sie hier festhalten sollte, aber passen Sie gut auf sich auf.“

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