(251) Der Manager und die Sammlerin.

Der Manager und die Sammlerin. So nannte man sie. Beide bekannt aus TV und Presse, schön und wohlhabend. Nun ja, Melia Janoschek war reicher als er, Tobias Hüfner. Als Konzernchef zählte er zwar zu den Top Ten-Verdienern der Nation, aber er hatte halt kein geerbtes Vermögen hinter sich, nicht so wie Melia. Eigentlich war es kein Thema zwischen ihnen, aber er musste trotzdem immer wieder daran denken.

Melia kam aus ihrem Haus, er stieg aus dem Auto. Sie umarmte ihn, er küsste sie. Natürlich gafften Passanten und einige machten auch Fotos. Er war es schon gewöhnt. Er wollte es genießen, denn er war jetzt auf der Sonnenseite des Lebens angekommen. Die Scheidung von Marieluise war unterwegs und er brauchte sich endlich nicht mehr zu verstellen.

„Wie war dein Tag?“, fragte er. Sie erzählte von ihrem Termin mit Runte. „Sein Projekt sah wirklich gut aus. Ich meine, wenn sich ein Bild einmal so eingebrannt hat, dann ist das schon immer ein gutes Kriterium, um bei mir in die Sammlung aufgenommen zu werden.“ Hüfner nickte. „Wir fahren jetzt zu dieser Skulpturen-Vernissage, ja?“ – „Genau. Cuvrystraße/ Ecke Schlesische Straße. Ein Projekt von Kurt Kessler. Er hat da einen Moai gebaut.“ – „Das ist doch schön, ich wollte schon immer zur Osterinsel, aber es war mir zu weit. Kurt Kessler macht es möglich.“ Sie lachte und erzählte von einem anderen Projekt, an dem sie arbeitete. Hüfner hörte weg. Manchmal nervte sie mit ihrer Art als verwöhntes Gör. Sie hatte sich nie für etwas ins Zeug legen müssen. Andererseits war sich Hüfner nicht mehr so jung vorgekommen, seit er denken konnte. Er war nicht mehr nur der alte Sack, der diesen Medienkonzern leitete und von dem in der Wirtschaftspresse geschrieben wurde. Nein, er war zu einer richtigen Präsenz geworden. Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen.

Als sie in die Schlesische Straße einbogen, sahen sie schon von Weitem das Blaulicht an der Cuvrystraße. Autos stauten sich auf und es ging nicht weiter. „Das muss ja eine große Vernissage sein. Kurt Kessler zieht mal wieder ganz extrem“, sagte sie. Irgendwie hatte sie ihm immer noch nicht verziehen, dass er kein Projekt mit ihr machen wollte. Die Vernissage schwänzen ging aber nicht, dafür waren zu viele wichtige Leute da. „Nein, da ist etwas passiert“, sagte Hüfner. Ein Polizist kam ihnen auf dem Motorrad entgegen. Hüfner fragte ihn, was denn los sei. „Dieser Betonklotz ist umjefallen und jetzt müssen alle erst einmal kieken, worauf er druff gefallen ist. Am besten Sie drehen um, hier jeht es erst mal nicht weiter.“ Hüfner schickte sich an, das Auto zu wenden. „Ach, das würde ich mir zu gerne ansehen“, meinte Melia schadenfroh. „Nein“, sagte er, „komm wir gehen ins Grill Royal.“ – „Nein“, sagte sie. „Ich will Kurt Kessler am Boden sehen. Am Wochenende auf Sylt kannst du bestimmen.“ Tobias Hüfner reihte sich trotz Protestgehupe des Hintermannes wieder in die Kolonne ein.

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