(251) „Das war knapp“, sagte Charlotte…

„Das war knapp“, sagte Charlotte, „ich dachte wirklich, sie wären wegen uns da. Irgendeine Alarmanlage, die wir übersehen hätten.“ – „Dann wären sie früher dagewesen“, antwortete Damien, „aber mir ist auch das Herz stehen geblieben, als ich das blaue Blinken sah.“

Ein paar Tage nach dem Einbruch saßen sie am Strand, schauten sich den Sonnenuntergang an und tranken Champagner.

Aus der Zeitung hatten sie erfahren, dass der Polizeieinsatz einer Statue galt, die Studenten aus dem University College in London entführt und an der Kirche ausgesetzt hatten. Erst danach suchte Damien seinen Hehler auf und verkaufte den Schmuck. Mit dem Geld konnten sie erst einmal für einige Zeit in ihrem Strandhäuschen untertauchen.

Damien küsste Charlotte. Sie waren seit über zehn Jahren zusammen im Geschäft und er fand, dass sie ein gutes Team waren. Vor allem sorgte Charlotte auch dafür, dass er nicht zu gierig wurde. Ihre Einbrüche erledigten sie in unregelmäßigen Abständen, nie in der gleichen Gegend und immer nach anderen Ablaufmustern. Sie waren sehr vorsichtig bei ihren Einsätzen. Wenn ihnen bei der Planung ein Detail nicht gefiel, bliesen sie den ganzen Einsatz ab.

Aus Damiens Sicht konnte ihre kriminelle Karriere noch ewig so weitergehen, zumindest so lange es ihm die Bandscheiben erlaubten, von außen in eine Wohnung einzusteigen.

Charlotte zeigte auf einen Punkt in der Ferne. „Schau mal, das sieht aus, als ob da jemand angespült wurde.“ Damien blickte über die Schulter. „Vielleicht ein Baumstamm“, meinte er träge. „Nein, das ist ein Mensch“, widersprach sie, erhob sich und ging in Richtung des Strandguts. Er stellte das Glas ab und folgte ihr seufzend.

Es war ein Mann, der angeschwemmt worden war. Er trug Pullover, Jeans und Lederschuhe. Seine Hände waren schrumpelig. Charlotte fühlte nach seinem Puls. „Er lebt. Wir sollten einen Krankenwagen rufen, aber anonym, um nicht in irgendetwas hineingezogen zu werden. Komm, pack mal mit an, wir ziehen ihn ins Trockene.“

Die Schleifspuren, die der Körper im Sand hinterließ, wurden schnell von den Wellen wieder getilgt.

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