(248) Fortsetzung des Berichts über einen Sprachaufenthalt in Edinburgh

Fortsetzung des Berichts über einen Sprachaufenthalt in Edinburgh (Schottland)

Mein peinlichstes Erlebnis? Das war ziemlich am Anfang meines Aufenthaltes. Ich kannte ja niemand und den anderen Mädchen aus dem Sprachkurs ging es genauso. Nach einer Woche wollten wir gemeinsam in einen Club gehen. Die Arbeit war hart und wir dachten, dass wir es an einem Freitagabend etwas lockerer angehen können. Außerdem wollten wir mal Kontakte mit lokalen Jungs knüpfen, wir waren ja schließlich da, um Land und Leute kennenzulernen.

Nicht weit weg von dem Wohnheim war eine Straße mit Kneipen und Clubs. Nachdem wir schon etwas getrunken hatten, gingen wir in einen Club der ‚The Scotch Project‘ hieß, das schien ein angebrachter Name zu sein. Der Club war ziemlich tief im Keller und es war recht dunkel dort, dafür aber laut wie Hölle. Es waren viele Jungs da, Leute in unserem Alter. Wir standen zuerst zusammen und lästerten, wie man das so macht, wenn man als Gruppe irgendwohin hinkommt und keinen kennt. Dann kamen aber auch schon Jungs dazu und es ergaben sich Einzelgespräche. Die Gruppe fiel etwas auseinander. Ich war schon traurig, weil anscheinend keiner mit mir reden wollte. Liegt wahrscheinlich an der Brille oder so, dass man mich eher nicht anspricht. Aber dann kam ein Typ zu mir und fing an mit mir zu reden. Er sah nicht so toll aus, etwas schwabbelig an den Hüften. Also eigentlich sehr schwabbelig. Zu Hause hätte ich ihn wahrscheinlich nicht angeschaut. Aber, hey, so ist das im Ausland. Außerdem, was soll man schon von einer Nation erwarten, die sich von frittierten Marsriegeln ernährt. Kleiner Scherz. Also ich frage, wie der Typ heißt und was er so macht. Gordon McDonald hieß er. Das klang sehr schottisch. Juhu, jetzt konnte ich die Leute mal aus der Nähe kennenlernen. Es war zwar sehr laut, aber ich verstand ihn recht gut – das war schon mal ein guter Start. Wir haben ein bisschen rumgeflachst. Er wollte wissen, wo ich herkomme, was ich mache. War eigentlich ganz nett. Gut, er hatte etwas getrunken und schwitzte viel. Egal, ich wollte ihn ja auch nicht heiraten. Eigentlich wollte ich gar nichts, sondern nur mit ihm reden. Er hatte aber wohl andere Pläne, denn irgendwann fing er an, mit mir zu knutschen. Das ist nicht so mein Ding bei jemand, den ich zum ersten Mal kennenlerne. Und dann, ehe ich mich versehe, habe ich seine Zunge im Mund. Das war jetzt eklig und ich habe ihm eine ins Gesicht geboxt. Da kamen auch schon die anderen Mädels aus dem Kurs, die uns beobachtet hatten. Der Typ ist dann auch schnell abgehauen. Aber das wirklich Peinliche an der Sache war, dass er überhaupt kein Schotte war. Das hat mir später jemand anders erzählt. Er war ein Amerikaner und hieß auch nicht McDonald, sondern arbeitete bei McDonald’s. Also wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich nicht einmal mit dem geredet. Es hätte mir auch auffallen müssen, dass er nach Frittenfett riecht. Aber, ich sage nur: frittierte Mars Riegel!“

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