(236) „Cut“, schrie eine Stimme.

„Cut“, schrie eine Stimme. „Wir machen 30 Minuten Pause, dann die gleiche Szene noch einmal.“

Bell (im wirklichen Leben Lando Daniels) setzte sich auf und klopfte Hikoma (Ken Yamazaki)auf den Oberschenkel. „Alles ok?“ Yamazaki nickte: „Ich habe deine Knöchel fast gespürt. Perfekter Schlag.“ Tibbs (Stacey Rawlings) half beiden hoch. „Ich weiß nicht, ob wir das nochmal besser hinkriegen, aber du solltest dir auf jeden Fall eine neue Nase anschrauben lassen.“ – „Ja, ihr könnt jetzt Pause machen, ich muss erst mal wieder in die Maske und umziehen kann ich mich auch noch, ich bin voller Blut. Das Blutkissen war viel zu groß.“ Daniels zog sich die Kunststofffolie aus der Nase.

Rawlings klopfte ihm auf die Schulter und verließ das Set, vorbei an den Bühnenbildnern und den Requisiteuren, die nach dem Dreh wieder Ordnung schufen und alles in die Ausgangsposition zurück brachten. Rawlings nickte dem Regisseur zu, der ihm ein Daumenhoch-Zeichen machte.

Der Schauspieler ging zur Halle hinaus zu seinem Wohnwagen und stieg ein. Nachdem er die Tür geschlossen hatte, verharrte er einen Augenblick still und genoss die Ruhe. Sein Wohnwagen war so etwas wie sein Heiligtum. Als junger Schauspieler hatte er in den vielen Pausen am Set herumsitzen müssen. Dabei musste er in schwachsinnigen Diskussionen mitreden oder sich den letzten Tratsch anhören. Seit er Starstatus erreicht hatte, war es anders. Er hatte ein vertragliches Recht auf einen eigenen Wohnwagen und konnte sich dorthin zurückziehen, wenn er nicht drehen musste. Er konnte vor allem die Tür schließen und niemand durfte ihn stören. Wenn er wollte, bräuchte er nicht einmal den Regisseur herein zu lassen. Seine persönliche Burg mit Zugbrücke.

Rawlings setzte sich in den bequemen Sessel und goss sich einen Tee aus der Thermoskanne ein. Dann zog er die Stiefel aus, öffnete den Knopf seiner Jeans und legte die Beine auf das Sideboard hoch. Er nahm sein Buch vom Tisch. Auf Seite 271 klappte er die Seitenecke zurück und fing an zu lesen.

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