(234) Kringel hatte herausgefunden, dass Schweinefleisch im Einkauf günstiger war als Rindfleisch.

Kringel hatte herausgefunden, dass Schweinefleisch im Einkauf günstiger war als Rindfleisch. „Damit muss man doch etwas anfangen können“, sagte er sich. Nach ein paar Stunden hatte er ein Geschäftsmodell ausgetüftelt. Eine Restaurantkette, in der eine breite Palette an Schweinefleischgerichten aus aller Welt angeboten würde. Auch ein Name fiel ihm schnell ein: „Three Smiling Porks“ mit drei lächelnden, Sonnenbrille tragenden Schweinen als Logo.

Für ein Pilot-Restaurant konnte er als Investor einen Schweinegroßzüchter gewinnen. Im Gegenzug verpflichtete sich Kringel alles Fleisch der entstehenden Kette bei seinem Investor zu kaufen, zu Marktkonditionen. Dann machte sich Kringel auf die Suche nach einem leerstehenden Lokal. Auch hier wurde er schnell fündig. Nachdem ein Pachtvertrag unterschrieben war, kümmerte er sich mit einem Architekten um die räumliche Planung.

Der Umbau war sehr umfangreich, machte aber zügig Fortschritte. Als krönender Abschluss wurde an einem Abend eine große Leuchtreklame mit dem Logo des Restaurants an der Fassade angebracht. Kringel war sehr zufrieden, das war ein Selbstläufer.

Am nächsten Tag waren die Scheiben des Restaurants eingeschlagen. Der Hausmeister informierte Kringel, dass in dem Viertel ein sehr großer Anteil von Juden und Muslimen wohnte. „Interessant“, sagte Kringel, „das war mir nicht bewusst. Aber das heißt für mich, dass wir hier im Viertel einen Marktanteil von 100% haben werden. Man muss den Leuten nur zeigen, dass Schweinefleisch sehr lecker und nahrhaft ist.“

Er heuerte Falk Neunkirchen, einen BWL-Studenten an, der im Viertel Gutscheine verteilen sollte. ‚Das reicht noch nicht‘, dachte sich Kringel. Dann kam ihm die Idee, Falk in ein rosafarbenes Schweinchenkostüm aus Plüsch zu stecken. Komplett mit einer Vollkopfmaske aus der eine Steckdosenschweinchenschnauze herausragte. „Das wird Furore machen“, sagte Kringel Falk, als er ihn mit dem Wagen zu seinem Einsatzort fuhr.

Falk stellte sich auf den Bürgersteig, in der Hand ein Bündel Gutscheine. In der Umhängetasche auf dem Rücken noch viel mehr Gutscheine. Kringel blieb im Wagen sitzen, um den Effekt der Aktion zu bewerten. Einige Passanten nahmen die Gutscheine, schmissen sie aber meist rasch wieder weg. Nur wenige stopften sie in die Tasche. Die Mehrzahl der Passanten zog ihre Hand zurück, als sie die Schweinemaske des Studenten sahen. Einige beschimpften ihn. Die ihn beschimpften blieben stehen und schnell bildete sich eine Traube mit schimpfenden Menschen um Falk herum.

Der Student im Schweinekostüm sah öfters in Kringels Richtung, durfte aber die Menge nicht aus den Augen verlieren. Einer wagte sich vor und riss Falk die Maske vom Kopf. Darauf stürzten sich andere auf ihn und schlugen mit Fäusten auf ihn ein. Falk ging zu Boden. Kringel sprang aus dem Wagen, bahnte sich einen Weg durch die Meute, indem er „Polizei“ schrie. Er griff Falk unter die Arme und brachte ihn zum Wagen. Unter dem Geheul der Zuschauer gab er Gas. Die Schweinemaske mussten sie zurücklassen. Der Mob zündete sie an und sah zu, wie sie knisternd verbrannte.

Schreibe einen Kommentar