(232) Das Gespräch mit Stollberg und Stahlberg hatte Welke überzeugt, dass er sein Schicksal selbst in die Hand nehmen musste.

Das Gespräch mit Stollberg und Stahlberg hatte Welke überzeugt, dass er sein Schicksal selbst in die Hand nehmen musste. Er fand heraus, dass die nächste Messe der World Toilet Organization bald in Belfast stattfinden würde und reiste dorthin, um für seine Erfindung Investoren zu suchen.

Die Messe war flankiert von Seminaren und Vorträgen, die Welke aber nicht interessierten. Er schaute sich in der Ausstellung nach Fabrikanten von Sanitärsystemen um und suchte das Gespräch mit deren Vertretern. Er hatte eine Präsentationsmappe dabei mit dem Titel: ‚Pulvis – the toilet system for the 21st century‘. Die Mappe enthielt Skizzen seines Systems sowie eine Auflistung ihrer Vorteile. Auch ein Lebenslauf des Erfinders war dabei.

Es war nicht schwierig, Termine zu bekommen. Die meisten Stände hatte eine ruhigere Ecke mit einem runden Tisch und zwei oder drei Stühlen. Welke stellte sich dann vor und erklärte seine Erfindung. Am Anfang dachten seine Gesprächspartner, dass Welke Toiletten kaufen wollte und waren wohlwollend herzlich. Wenn herauskam, dass er ein Erfinder war, drehte sich die positive Stimmung und sie versuchten nur noch ihn loszuwerden: Zu teuer für Entwicklungsländer; zu kompliziert in der Wartung; man habe schon eigene Produkte mit ähnlicher Wirkung; man suche keine neuen Produkte; dazu müsse er sich an die Geschäftsführung wenden; sein Produkt sei unmöglich; er habe keine Ahnung von Toilettensystemen.

Nach einem weiteren erfolglosen Treffen, sprach ihn ein älterer aber jugendlich wirkender Herr an, der sich als Alfons Kringel, Unternehmer, vorstellte. Er habe Welkes Präsentation zufällig aber mit großem Interesse angehört und er habe eine Idee. Er wolle Welkes Erfindung sozusagen vom Kopf auf die Füße stellen. Welke verstand nicht, was Kringel damit meinte.

Kringel erläuterte weiter: Interessant an dem Verfahren sei nicht die Anwendung im Sanitärbereich. Das wären nur Perlen vor die Säue. Nein, er habe eine ganz andere Idee: Eine Anlage bauen mit der Obst gefriergetrocknet und pulverisiert würde. Das gleiche auch mit Milch. Daraus, mit natürlichen Inhaltsstoffen ein Pulver als Produkt erschaffen, mit dem bei Zugabe von Wasser herrliche Säfte und Milchmixgetränke entstünden. „Nicht der synthetische Abfall, denn es heute gibt, sondern alles naturbelassen!“ Welke war froh, bei der Messe endlich freundliche Worte zu seiner Erfindung zu hören. Auch fand er die Idee nicht schlecht, mit seinem Produkt jeweils am Anfang und am Ende der Verdauungskette zu stehen. Kringel schien erfahren und begeistert zu sein, eine gute Mischung. „Ich schlage vor, dass wir unser Gespräch heute Abend in der Sauna vertiefen. Sieben Uhr im Ramada, Shaws Bridge! Nehmen Sie sich ein Taxi.“

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