(231) Wir managen Erfindungen und helfen kreativen Köpfen, ihre Arbeit individuell besser zu vermarkten.

„Wir managen Erfindungen und helfen kreativen Köpfen, ihre Arbeit individuell besser zu vermarkten. Und wir sind sehr diskret.“ Stollberg lehnte sich zurück und betrachtete Achim Welke, dessen Augen hinter der dicken Brille riesig aussahen.

Welke war Ingenieur bei einem Chemieanlagenbauer und hatte, zufällig, eine Erfindung gemacht. Ein ehemaliger Arbeitskollege hatte ihn mit Stollberg und Stahlberg in Kontakt gebracht. Stahlberg mischte sich ein: „Erlauben Sie mir, Herr Welke, dass ich ihr Produkt einmal in meinen eigenen dürren Worten widerspiegele: Sie haben für eine Prozessanlage nach Möglichkeiten der Gefriertrocknung gesucht. So wie das bei Instantkaffee auch gemacht wird. Dabei haben Sie eine Methode gefunden, mit der man ein völlig neuartiges Klo bauen kann. Ein Klo, das feste von flüssigen Ausscheidungen trennt. Die festen Bestandteile werden gefriergetrocknet und dann automatisch in Pulver verwandelt. Das Pulver ist völlig geruchlos und mikrobiologisch unbedenklich. Es kann eingesammelt und dann als Dünger verwendet werden, sogar auf Gemüsefeldern. Zusätzlich erzeugt die Umwandlung ausreichend Energie, um damit die Gefriertrocknung, ja das ganze Klo autonom zu betreiben. Es kommt sogar ohne Wasser aus. Habe ich das so richtig verstanden?“

Welke nickte. „Das ist korrekt. Das habe ich erfunden und die weitere Entwicklungsarbeit liegt eigentlich eher im Design. Die Prozesse stehen.“

Stollberg räusperte sich. „Das ist eine fantastische Erfindung. So etwas braucht die Welt. Hier bei uns, aber auch im Ausland. In den Entwicklungsländern. Ein Riesenmarkt.“ – „Das stimmt. Es kann sehr viele Probleme lösen.“ – „Aber, Herr Welke, wenn Sie nichts unternehmen, gehört die Erfindung Ihrem Arbeitgeber. Sie werden bei der Geschichte leer ausgehen. Wäre das nicht schade? Immerhin ist es ja nicht einmal ein Produkt, für das Ihr Arbeitgeber Sie eingestellt hat. Es ist eine Serendipität, so wie Penicillin, Post-Its und der Teebeutel. Sie haben etwas gesucht und etwas komplett anderes gefunden. Sehr poetisch… und sehr wertvoll. Ich kann Ihnen nur raten, diese Erfindung selbst zu vermarkten. Wir, mein Kollege Stahlberg und ich, können Ihnen dabei helfen. Ihr Arbeitgeber wird davon nichts mitbekommen. Garantiert. Wir können Sie sehr reich machen.“

Welke sah unentschlossen aus. „Ich muss mir das noch einmal überlegen. Ich bin Ingenieur, das ist für mich Neuland. Geben Sie mir Zeit. Ich melde mich bei Ihnen.“

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