(229) Siehst du die Punchlights im Lastwagen?

„Siehst du die Punchlights im Lastwagen? Die Scheinwerfer da? Gut, nimm sie und bring sie zur Bühne, zehn in die Mitte, zehn links und zehn rechts. Verstanden? Und vorsichtig, ja! Wie heißt du überhaupt? OK, Cort, dann mal los.“

Der Beleuchter ging nach hinten in den Saal, wo das Steuerpult aufgestellt war. Cort stieg auf die Ladefläche des Lastwagens. Zuerst brachte er die Scheinwerfer an den Rand der Laderampe, sprang wieder herunter und brachte sie in Paaren zur Bühne.

Über dieser hing eine Banderole mit dem Text ‚Miss Rodeo Pageant‘. Cort hatte davon über die Agentur erfahren und als er den Job hatte, war er mit dem Wohnwagen hochgefahren. Fünf Tage Arbeit, das lohnte sich. Und danach würde man sehen. Irgendwann gab es immer etwas für ihn zu tun.

Es schien Cort, als sei er sein ganzes Leben Roadie gewesen. Er fühlte sich vor allem als ein Mitglied der weitverzweigten Roadie-Familie. Manchmal traf man sich bei Jobs wieder, manchmal war er mit Crews monatelang in Sleeperbussen unterwegs, von einem Konzert zum anderen. Er mochte es, unterwegs zu sein. Am Anfang war es eine Notlösung gewesen, denn Jobs zum Überleben schien es stets nur woanders zu geben. Zuerst hatte er sich dagegen gewehrt und nach Möglichkeiten gesucht, wieder sesshaft zu werden. Mittlerweile aber hatte er sich in der Bewegung wiedergefunden, er hatte diesen Fluss akzeptiert und er war ein Teil davon geworden. Seine Arbeit machte ihm Freude. Er war stolz darauf, alles, was er tat, mit der größten Aufmerksamkeit und Sorgfalt zu erledigen.

Dies war sein erster Miss Rodeo Pageant, ein Schönheitswettbewerb für Frauen, die den Lebensstil des Rodeo verkörperten. Ihm sollte es recht sein. Die Leute wollten Schweinwerfer haben, um den Strass zum Glänzen zu bringen – sie sollten sie haben.

„Hey Chef“, rief er dem Beleuchter zu, „soll ich die Punchlights jetzt an die Traversen hängen?“

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