(227) Gerade als Enno Piasta dachte, dass er nicht mehr weiter Treppen steigen konnte…

Gerade als Enno Piasta dachte, dass er nicht mehr weiter Treppen steigen konnte, hörte er leise Musik. Zuerst dachte er an Halluzinationen, doch dann wurde es lauter. Nach der nächsten Umrundung sah er auf dem Treppenabsatz weiter oben eine Tür, ähnlich wie die, durch die er in das unendliche Treppenhaus gelangt war. Durch diese Tür kam die Musik in den Schacht. Mittels einer Schablone war auf der Tür die Zahl ‚347‘ aufgemalt.

Er öffnete die Tür. „..want to go where the people dance, I want some action…“ Laute Discomusik empfing ihn. Hinter ihm fiel die Tür zu. Er ging einen Gang hinunter, an dessen Ende sich ein beleuchteter Durchgang befand, durch den die Musik kam. „I want to live!“

Als er durch die Öffnung durchging, sah Piasta, dass er sich in einer Disco befand, in der Hunderte von Menschen sich auf der Tanzfläche bewegten. Es gab farbige Schweinwerfer, die im Rhythmus der Musik flackerten und kreisten. Oben an der Decke hing eine riesige Discokugel, deren kleine Lichtblitze durch den Raum wanderten.

„Action… I have got so much to give.“ Einige der Leute auf der Tanzpiste kamen Piasta bekannt vor, aber er konnte sie nicht einsortieren. „I want to give it. I want to get some too.“ Jemand tippte Piasta auf die Schulter, er drehte sich erschrocken um. „I love the nightlife!“. Vor Piasta stand ein uniformierter Zugschaffner – derselbe, der vorhin seine Fahrscheine kontrolliert hatte.

„Personalwechsel. Die Fahrscheine, bitte.“ Der Schaffner wedelte mit der Lochzange vor Piastas Gesicht. Auf der Brust hatte er ein Namensschild auf dem ‚Kellermann‘ stand. „Ich… aber… Sie haben die doch schon kontrolliert…“ – „Personalwechsel!“, wiederholte der Schaffner bedrohlich. Seine Augen funkelten. Piasta klopfte seine Taschen ab und sah den Schaffner bedauernd an. „Wenn Sie keinen Fahrschein haben, dann muss ich Sie leider wieder hinausbegleiten.“ Der Schaffner kam auf ihn zu. Er war ein breitschultriger Mann mit einem buschigen Slawenhaken um den Mund herum. „Ich kann ja vielleicht einen neuen Fahrschein kaufen!“ Piasta wollte nach seiner Brieftasche greifen, aber er fand sie nicht. „Tut mir leid, mein Herr. Wir verkaufen keine Fahrscheine hier. Wenn Sie keinen haben, müssen Sie wieder dahin zurückgehen, wo Sie herkamen.“ Der Schaffner bugsierte Piasta mit dem Bauch wieder in den dunklen Gang zurück. Piasta wollte sich wehren, aber der Schaffner war unaufhaltsam. „Please don’t talk about love tonight. Your sweet talking won’t make it right.“ Piasta sprang zur Seite und wollte an der Betonwand entlang am Schaffner vorbeigehen, aber dieser fing ihn ab. Er hob seine Schaffnerzange und griff sich damit Piastas Wangenfleisch im Mundwinkel. Piasta schrie vor Schmerz auf. „Machen Sie keine Schwierigkeiten“, sagte der Schaffner ganz ruhig. „Ich habe noch nicht einmal geknipst!“ Er drückte Piasta gegen die Eisentür, an der sie jetzt angelangt waren. Der Schaffner streckte die Hand aus, um die Klinke zu drücken. Dann wurde es Piasta schwarz vor Augen.

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