(223) Das ist der bescheuertste Werbespot, von dem ich je gehört habe.

„Das ist der bescheuertste Werbespot, von dem ich je gehört habe.“ Ducky D. war fassungslos. Nach der Entwöhnungskur durfte er keinen Alkohol mehr trinken. Die Leber war kaputt und der Arzt hatte gesagt, dass er zugrunde gehen würde, wenn er nicht damit aufhörte. Als Rapper war das seinem Image nicht zuträglich. Deshalb hatte Ducky D. eingewilligt, für Tobermory Single Peated in einem Werbespot aufzutreten. Die Marke war angesehen und früher hatte er das Zeug gerne getrunken. Flaschenweise, wenn er sich nicht irrte. Aber vieles von damals war für immer im Nebel verschwunden. Aber was ihm der Werbeheini von Tobermory gerade erklärt hatte, war völlig unmöglich. Damit würde er sich lächerlich machen. „Wie heißen Sie noch mal?“, fragte der Rapper. „Enno Piasta“, antwortete der Mann, der eher wie ein Buchhalter aussah, als wie ein Kreativer aus der Werbung. „Enno, ist das ein Bühnenname?“ Piasta schüttelte den Kopf. Er schluckte. „Egal. Enno, habe ich das richtig verstanden, wie Sie sich das vorstellen? Ich komme in eine Bar, weil ich einen Whisky trinken möchte. Soweit ok. Drinnen sind nur Frauen. Auch ok, gefällt mir gut. Die Frauen sind etwas nuttenhaft bekleidet und schauen alle zu mir, wenn ich eintrete. Auch da sage ich: Perfekt, das ist mein Tag. Aber anstatt dass ich mir zuerst einen Whisky reinkippe und mich über die Bräute hermache, schaue ich in die Kamera und sage: ‚Bei so viel Gutem, was einem widerfahren kann, bin ich froh, dass ich nicht alleine bin.‘ Und dann drehe ich mich um und hinter mir stehen 83 schottische Dudelsackpfeifer im Schottenrock? Alle aus Glasfaser? Ja hackt es denn?“ Piasta kratzte sich am Kopf, aber sagte nichts. Ducky D. fuhr fort: „Soll ich Ihnen mal sagen, was daran falsch ist? Ich brauche in einer solchen Situation keine Hilfe. Schon gar nicht von Männern in Röcken. Ist das klar? Ziel verfehlt, Herr Kreativer aus der Werbebranche.“

„Ich weiß, das ist nicht einfach, Ducky“, sagte Piasta schließlich. „Die Vorgabe von Tobermory war, dass die 83 Schotten im Werbespot vorkommen müssen. Die werden nachher an Spirituosenläden ausgeliefert und sollen deshalb vorher bekannt gemacht werden. Es ist nicht einfach, einen Rapper und 83 Schotten in einem Spot für Whisky unterzubringen.“ – „So ein Schwachsinn. Sie sind doch Kreativer. Dann seien Sie mal kreativ.“ – „Ha, das würde ich ja gerne, aber Sie haben keine Vorstellung…“ – „Hören Sie mal zu, ich mache Ihnen einen Vorschlag.“

Ducky D. erklärte, wie er den Spot sah. „Ich komme in die Bar, wie vorher. Die Bräute sind da, ebenfalls wie gehabt. Sie sind heiß auf mich und ich will sie. Geht klar, Mann. Mit einem Whiskyglas in einer Hand vernasche ich die Mädels. Oh yeah! Dann kommt der erste Schotte durch die Tür und will mitmachen. Ich nehme meine Pumpgun und knalle ihn ab. Mit Schwung fällt er hintenüber, dass sein Rock hochflattert. Dann kommt der Zweite: Ich knalle ihn auch ab. Und so weiter. 83 Mal. Am Ende liegt ein Haufen blutiger Schotten da und die Bräute beten mich an. Ich sage dann so etwas wie: ‚Mit Tobermory Single Peated braucht man keine Hilfe.‘ So, mein Freund, geht das. OK?“ Piasta sah skeptisch aus. Er sagte, er müsse das mit der Agentur besprechen.

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