(222) Dannie Munk sah sich nicht als Künstler, sondern bezeichnete sich als Bildhauer-Handwerker.

Dannie Munk sah sich nicht als Künstler, sondern bezeichnete sich als Bildhauer-Handwerker. Man gab ihm einen Auftrag, er erfüllte ihn. Seine Werkstatt war ein Hangar auf einem stillgelegten Flughafen. Im Hangar selbst hatte er sich eine Blockhütte gebaut, in der er auch wohnte. Er hatte zwei feste Mitarbeiter und für Großprojekte stellte er zusätzlich Studenten von der Kunsthochschule ein. Als Albert Lang ihn besuchte, um über die Statue für ‚Königin Gloria‘ mit ihm zu reden, war Munk gerade mitten drin in einem solchen Großauftrag. Der Hangar war offen und Lang ging hinein. Im Inneren wurde er von 31 lebensgroßen schottischen Dudelsackpfeifern empfangen. Gut die Hälfte davon war bereits angemalt und sah lebensecht aus. Bei den restlichen sah man, dass sie aus Fiberglas hergestellt waren. Alle schauten Lang mit aufgeblasenen Backen an, als er erstaunt vor der Kompanie stehen blieb. Dann kam auch schon Munk auf ihn zu. Er hatte weiter hinten mit einer Gruppe von Studenten an den Formen gearbeitet. Alle trugen Gasmasken.

„Hallo Albert“, grüßte Munk, nachdem er seine Maske abgezogen hatte. „Baust du dir eine eigene Armee?“, fragte Lang. „Ja, ich erobere die Welt beim Klang des Dudelsacks. Nein, das ist ein Auftrag für eine Whiskymarke. Die brauchen die Männekens für einen Werbespot und danach zum Aufstellen in Läden. Was soll’s, ist gut bezahlt. Ich bin völlig ausgelastet.“ Lang nickte mit gerunzelter Stirn, als er Munk in sein Büro im Innern des Blockhauses folgte. „Ich kann dich heute leider nicht rumführen, ich habe keine freie Gasmaske mehr.“ Sie setzten sich. „Willst du ein Glas Whisky? Die haben mir Proben geschickt.“ Munk hielt eine Flasche ‚Tobermory Single Peated‘ hoch. Lang wehrte ab. „Ja, ist mir auch zu früh. Was führt dich zu mir, Albert? Irgendetwas mit der Statue nicht in Ordnung? Wenn du hierher kommst, muss es ja etwas Ernstes sein.“

Lang erklärte, in welcher Klemme er steckte. Munk verzog das Gesicht. „In einer Woche kann ich dir keine neue Statue machen. Nicht einmal, wenn ich sonst nichts zu tun hätte. Unmöglich.“ – „Und wenn du nur Gesicht und Brüste austauschen würdest?“, fragte Lang. „Albert, wie stellst du dir das vor? Ich säge das alte Gesicht raus und setze ein neues rein?“ – „So in etwa, ja.“ Munk dachte nach und schüttelte dann den Kopf. „Die Übergänge wären zu sehr sichtbar. Aber mir kommt eine andere Idee. Das Gesicht ist zehn Meter vom Boden weg. Warum passen wir die Proportionen nicht mit ein paar Pinselstrichen an? Ein bisschen Schatten hier, ein bisschen heller da – und fertig ist die Laube.“ Langs Gesicht hellte sich selbst auf. „Stimmt, das könnte gehen. Großaufnahmen wird Zimmer nicht machen wollen, sonst sieht man, dass es kein Marmor ist. Aber was ist mit den Brüsten? Die sind zu groß und ich fürchte, dass wir da mit Farbe wenig ausrichten können.“ – „Kein Problem, Albert. Die Brüste kann ich bei den Schotten dazwischen schieben. Du sägst den Teil aus und ich baue dir einen neuen Busen.“ – „Was ist mit den Übergängen?“ – „Kein Problem, wenn du an der Brustfalte entlang sägst. Da merkt man nachher nichts.“

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