(337) Wo stehen die Ermittlungen Commissario Borgese?

„Wo stehen die Ermittlungen Commissario Borgese?“ Es war still in dem dunklen holzgetäfelten Büro des Commissario Capo Milian, in das Sergio Borgese gerufen worden war, um Rechenschaft abzulegen. Gastone Milian schaute seinen Mitarbeiter durch eine große Nickelbrille ernst an. Borgese setzte sich etwas gerader hin und erzählte, was er herausgefunden hatte.

In der Diskothek hatte man 331 Leichen gefunden. Das hatte die Polizei in Rimini vor eine unlösbare logistische Herausforderung gestellt und es wurden Kollegen aus Ravenna, Bologna und Florenz hinzugerufen, um die erkennungsdienstlichen Arbeiten durchzuführen. Alle Leichen wurden obduziert, auch dies ein gewaltiges Unterfangen. Dabei kam heraus, dass alle eines natürlichen Todes gestorben waren. 181 Herzinfarkte, 131 Schlaganfälle und 19 sonstige.

„Das ist doch absurd, Borgese. 181 Herzinfarkte in der gleichen Sekunde? Das glaubt uns doch keiner. Gab es Überlebende, Augenzeugen?“ – „Zwei. Einer saß an der Bar, neben seiner Frau. Er war völlig in Ordnung. Seine Frau war tot. Schlaganfall.“ – „Und der zweite?“ Borgese kratzte sich am Kopf. „Da wird es etwas schwieriger. Es gab da noch einen Mann, ein Deutscher. Er saß kurz vor dem… Massensterben auf dem Mechanischen Bullen und hatte eine gute Zeit erreicht. Er ist verschwunden.“ – „Ist er nicht unter den Toten?“ – „Nein. Der Mann an der Bar hat sich alle Leichen angeschaut und gesagt, dass er nicht dabei sei. Er sagte auch, dass der Bullenreiter sich danach durch den Notausgang verdrückt habe.“ – „Was ist besonders bei dem Mann an der Bar? Warum hat er überlebt?“ – „Er sagt, dass er nur da war, weil seine Frau ihn mitgeschleppt hatte. Er hatte keinen Spaß.“ – „Na das ist ja eine tolle Erkenntnis, Commissario Borgese. Alle anderen sind wohl an der Freude gestorben. Nur der Miesepeter hat überlebt. Lächerlich. Damit kann ich nicht vor die Presse treten. Und schon gar nicht vor Primo Dirigente Catenaccio.“

Es war wieder einen Augenblick still im Büro des Commissario Capo. Milian überlegte, was er Catenaccio erzählen konnte und Borgese fragte sich, ob die Unterredung beendet war. Das war sie aber nicht. „Was machen Sie jetzt als Nächstes, Commissario?“ – „Wir suchen den Bullenreiter. Sein Verschwinden ist seltsam. Wir haben Fingerabdrücke vom Notausgang und DNA Proben vom Mechanischen Bullen. Es sind natürlich sehr viele verschiedene, aber es ist ein Anhaltspunkt für die Suche.“ – „Und was erhoffen Sie sich von dem Mann, dem Bullenreiter?“ Borgese hätte am liebsten geantwortet: Nichts, aber es gehört sich so, Leute zu suchen, die weglaufen. Das ist doch ein Polizeiprinzip. „Erkenntnisse“, sagte er stattdessen. Es war überhaupt fraglich, ob irgendjemand schuld war, da alle einen natürlichen Tod gestorben waren. Die Häufung allein machte aus einem Tod ja noch keinen Mord.