(306) Im Radiobericht klang das so beiläufig: ‚Eine Hundertschaft durchkämmte den Wald.

Im Radiobericht klang das so beiläufig: ‚Eine Hundertschaft durchkämmte den Wald.‘ Als ob es ein einfacher Waldspaziergang sei. Private Garrett Hanson wusste es definitiv besser. In einer ganzen Reihe von Armeesoldaten durch den Wald zu gehen und dabei mit einer Sonde nach irgendetwas Verdächtigem zu suchen, war sehr anstrengend. Besonders, wenn es dabei regnete und einem die Uniformjacke nass am Rücken klebte. Das war nicht der Grund gewesen, warum er den Argyll and Sutherland Highlanders beigetreten war. Der genaue Grund war zwar die allgemeine Perspektivlosigkeit gewesen, aber das spielte jetzt keine Rolle. Er war ein Soldat, stationiert in den Howe Barracks in Canterbury, bereit, für sein Vaterland alles zu geben. Und das Vaterland schickte ihn mit einem Stöckchen in den Fishpond Wood, um nach zwei verschwunden Zivilisten zu suchen. Ein Mann und eine Frau vom English Heritage. Den Wagen hatte man am Boughton Bypass gefunden, aber man nahm an, dass die beiden sich im Wald verirrt hatten. Und Schwupps bestellte man eine Hundertschaft, um den Wald zu durchkämmen. Und dabei war es eigentlich ein Urlaubstag von Private Hanson. Er wollte in London sein, um mit Jenny, seiner Freundin, die in London lebte, und ihren Freunden einen Pub crawl zu machen. Sie arbeitete bei Selfridge’s in der Parfümabteilung. Wenn er nicht auftauchte, war er der Soldatendepp, der nie Zeit hatte, weil er mit seinesgleichen durch den Wald marschieren musste. Eigentlich hatte man ihnen zugesagt, dass sie abgelöst würden, aber sicher war das nicht. Hanson war ständig dabei, sich in Gedanken den Busfahrplan zur Victoria Station vorzunehmen und jeweils immer den nächsten Bus herauszusuchen, den er nehmen könnte. Zuerst musste er noch zurück in die Kaserne, kurz duschen und dann eine Viertelstunde zu Fuß zum Busbahnhof in Canterbury. Der Bus schaffte es dann in 100 Minuten nach London.

Wieder hatten sie eine Bahn abgelaufen. Sie verlegten ihre Position nach links, so wie der Sergeant es ihnen anwies und dann ging es wieder mit dem Sondierstöckchen los in die andere Richtung. Wenn ein toter Baum im Weg lag, oder ein Graben überquert werden musste, machte der ganze Suchtrupp halt, während ein paar von ihnen genauer hinschauten oder in den Graben hinunter stiegen, um zu sehen, ob es vielleicht etwas im Wurzelwerk gab. Eigentlich hoffte Hanson, dass die Verschwundenen nicht von ihnen entdeckt werden würden. Er hatte nichts gegen die Leute vom English Heritage, aber sie waren bestimmt mittlerweile tot. Er hatte keine Lust, die Sonde in eine Leiche zu stecken. Andererseits konnten sie dann vielleicht in die Kaserne zurückkehren. Jetzt hob der Sergeant schon wieder die Hand. Wahrscheinlich wieder ein Graben, der durchsucht werden musste. Bisher hatte Hanson sich gedrückt, weil er nicht auch noch nasse Füße bekommen wollte. Aber dann war es soweit. Eine Ersatzmannschaft war angekommen und sollte die Suche weiterführen. Die beiden Hundertschaften stellten sich über die ganze Breite der Kette voreinander und es kam zur Übergabe der Sondierungsstäbe. Man wünschte sich Glück und Hanson sah mit Freude, dass ein Bus auf sie wartete, um sie in die Howe Barracks zu bringen. Jetzt konnte der bessere Teil des Tages beginnen.