(286) Helensburgh lag an einer weiteren Meeresbucht, dem Gare Loch, 30 Meilen vor Glasgow.

Helensburgh lag an einer weiteren Meeresbucht, dem Gare Loch, 30 Meilen vor Glasgow. Fraser mochte es, gemütlich durch die Highlands zu fahren und dabei seinen Gedanken nachzuhängen. Das unterschied ihn von diesen hypernervösen Londonern, die ständig am Rande des Nervenzusammenbruchs waren.

Eine Viertelstunde vor seinem Ziel sah er plötzlich eine stehende Wagenkolonne vor sich. Etwa eine halbe Meile weiter vorne befand sich ein Kreisverkehr, bei dem die rechte Ausfahrt schnurstracks in den Marinestützpunkt Faslane einbog. Genau wie die Autofahrer vor ihm machte auch Fraser den Motor seines Landrovers aus. Im Rückspiegel erkannte er, dass bereits weitere Autos hinter ihm aufgereiht waren. Er lag gut in der Zeit und irgendwann würde es auch wieder weitergehen. Der Filmheini wäre bestimmt schon ausgeflippt und hätte einen Helikopter bestellt. Fraser schaltete das Radio ein, um zu hören, ob es irgendwelche Verkehrsdurchsagen gab. Hoffentlich hatte es keinen Störfall auf der Basis gegeben. Immerhin war es der wichtigste Stützpunkt der britischen nuklearbetriebenen U-Boote. Zu allem Überfluss hatten viele der Boote auch noch Trident-Raketen an Bord. Doppelte Gefahr sozusagen. Er schaute durch die Windschutzscheibe in den Himmel, konnte aber keinen Rauch oder sonstige Unregelmäßigkeiten erkennen. Vor allem keinen Atompilz, hielt er belustigt fest. In den Wagen vor ihm stiegen ein paar Männer aus, um eine zu rauchen oder sich die Füße zu vertreten. Fraser schaute auf die Uhr und rief seinen Transporteur an. „Ich werde mich verspäten. Hänge in Faslane in einem Stau fest. Warten Sie mit dem Einladen, bis ich da bin. Verschiedene Stücke bringen wir gleich zur Deponie, die stellen wir ganz hinten rein.“ Der Fahrer sagte, dass er schon da sei und einfach auf Fraser warten würde. Dann rief Fraser das Auktionshaus an und informierte sie über seine Verspätung. Die Frau am Telefon sagte, dass ihr Kollege wohl im gleichen Stau gefangen sei, Fraser solle sich also keine Gedanken machen. Wenigstens das, dachte Fraser. Er hoffte, dass der Transporteur keine Überstunden berechnen würde. Bei der Zeit, die Fraser schon auf LKWs hatte warten müssen, wäre das unfair.

Im Stau tat sich nichts. Der Autofahrer vor ihm hatte sein Fresspaket auf der Motorhaube ausgepackt und aß ein Sandwich. Fraser merkte, dass er auch Hunger bekam. Vielleicht gab es ja eine Demo bei der Marinebasis. Aber nein, diese waren ja immer im Februar und das hätte er mitbekommen. Vielleicht war es einfach nur ein Spion, der eingedrungen war. Vielleicht würde in Kürze auf der Gegenfahrbahn ein silberner Aston Martin auftauchen, in dem James Bond den Schurken jagte. Ein weiterer Schotte, James Bond. Vater stammte aus Glencoe. ‚Ha‘, dachte Fraser, ‚da hätte ich mal entlang fahren sollen, anstatt über Inveraray. Zwar eine halbe Stunde länger, aber keine Staus.‘ Der Fahrer vor ihm war mit seinem Sandwich fertig und stieg wieder in das Auto. Frasers Magen knurrte. Vielleicht sollte er einfach umkehren und den Umweg am Loch Lomond entlang fahren.

(287) Eigentlich hätte Captain Edward Peely jetzt mit seiner Familie am Strand der Costa del Sol liegen sollen.

Eigentlich hätte Captain Edward Peely jetzt mit seiner Familie am Strand der Costa del Sol liegen sollen. Stattdessen stand er im abgedunkelten Hotelzimmer und sprach in sein abhörsicheres Mobiltelefon. Die Sicherheit war zwar nicht optimal, aber zumindest hatte er Zimmer 241 nach Wanzen abgesucht und nachgeschaut, dass die Nachbarzimmer auch wirklich leer waren. „Können Sie mir den Stand zusammenfassen, Commander Sturgess.“ Peely war auf dem Marinestützpunkt Faslane für die innere Sicherheit verantwortlich. Jon Sturgess, ein ambitionierter aber solider Mann, war sein Stellvertreter. Ausgerechnet während Peelys Urlaub hatte es einen Alarm gegeben und man hatte die Basis völlig abriegeln müssen.

„Ich ging vorschriftsgemäß um 14 Uhr in den Top Secret Post, um das All-clear einzugeben. Vorher war ich um 12 Uhr dort und da war alles in Ordnung. Um 14 Uhr fand ich allerdings unter dem Schreibtisch eine Zigarettenkippe. Ich habe sofort den Alarm ausgelöst. Der Stützpunkt kam in Lock-Down Modus und es wurde nach unautorisiertem Personal gefahndet.“

Der Top Secret Post war das Herzstück des Stützpunkts, wo der Computer mit der höchsten Sicherheitsstufe stand und über den der gesamte Kommunikationsverkehr für die U-Boot-Flotte lief. Nur vier Personen hatten Zugang zu dem Raum: der Befehlshabende Offizier des Stützpunkts, sein Stellvertreter, Peely und Sturgess. Natürlich war in dem Raum das Rauchen untersagt, aber keiner der vier rauchte. Es musste ein Unbefugter dort eingedrungen sein.

„Haben Sie die Zugangslogs überprüft?“ – „Ja, negativ.“ – „Welche Marke war es?“ – „Marlboro, Sir. Der Stummel wird bereits im Labor auf DNA-Spuren untersucht.“ – „Wie ist der Status des Stützpunkts?“ – „Alarmstufe Rot. Wir sind streng nach Vorschrift vorgegangen, Sir. Alle Zufahrtswege sind gesperrt. Das Personal, das um 14 Uhr auf dem Stützpunkt war, ist immer noch dort. Zusätzlich haben wir das Personal, das die Basis nach 12 Uhr verlassen hat, inzwischen zurückgeholt und bis auf Weiteres in der Kantine festgesetzt. Keine weiteren Personen werden auf das Gelände gelassen.“ – „Was sagen die Geheimdienstler?“ – „Wenig. Ich habe den Eindruck, dass sie ratlos sind. Wenn Sie erlauben: Ich bin es auch, Sir. Einerseits ist es unvorstellbar, dass jemand die Sicherheitsvorkehrungen durchbricht und in den Raum gelangt, ohne dass etwas darüber in den Logs steht. Andererseits ist es ebenso unvorstellbar, dass so jemand in dem Top Secret Post eine Zigarette raucht und die Kippe dann unter den Tisch fallen lässt.“ Peely nickte. „Mir fällt nur ein: Sind Sie sicher, Commander Sturgess, dass Sie die Kippe nicht unter dem Schuh hatten, als sie reingingen?“ – „Ja, Sir. Die Kippe war nicht zerdrückt, wie es der Fall sein müsste. Ich hatte daran gedacht, aber diese Möglichkeit scheidet aus.“ – „Können Sie mich zum Befehlshabenden durchstellen.“ Sturgess ging aus der Leitung und Peely wartete. Es war an seinem Vorgesetzten zu entscheiden, ob Peely seinen Urlaub abbrechen musste oder nicht. Seine Familie würde er erst einmal in Spanien lassen. Wegen einer Kippe. Gleichzeitig lächerlich und unvorstellbar. Peely fragte sich, ob der Vorfall und die Tatsache, dass er nicht auf der Basis war, ein gutes oder schlechtes Licht auf seine Karriere warf. Er wurde in seinen Gedanken unterbrochen, als Sturgess ihm sagte, dass der Befehlshabende sich bei ihm melden werde.

(288) Joy Adamson saß in der Kantine des Marinestützpunkts…

Joy Adamson saß in der Kantine des Marinestützpunkts und hatte einen guten Fensterplatz ergattert. Von dort aus sah sie, wie Suchtrupps zwar geordnet und systematisch, aber dennoch nervös die Gebäude des Stützpunkts durchkämmten. In der Kantine war es so laut wie sonst nie, weil alle, die hier unfreiwillig festgehalten wurden, sich austauschten, was denn überhaupt los sei und wann sie endlich wieder nach Hause gehen konnten. Bisher hatte es keine Ankündigung gegeben, was vorgefallen war. Nur so viel, dass es zu einem Sicherheitsfall gekommen sei. Wenigstens hatte man hinzugefügt, dass kein nuklearer Störfall vorlag.

Joy Adamson war zwar nur als Putzfrau auf der Basis tätig, wusste aber genau was vorgefallen war. Die Zigarettenkippe hatte sie nämlich selbst platziert. Sie war jetzt schon seit 23 Jahren auf der Basis tätig und hatte dabei erkannt, dass man sie überhaupt nicht wahrnahm. Natürlich musste irgendjemand den Top Secret Post sauber machen. Hatte sich noch nie jemand Gedanken gemacht, dass es sonst eine zentimeterdicke Staubschicht in dem Raum geben müsste? Wahrscheinlich dachten die vier hohen Offiziere, dass die jeweils anderen drei sich darum kümmerten. Sie musste bei dem Gedanken für sich kichern. Sie hatte, seit es den Raum gab, eine Zugangsberechtigung, die auch noch funktionierte, nachdem zusätzlich der Augenscan eingeführt worden war.

Die Zigarettenkippe war ein Racheakt gewesen. Sehr unzeremoniös hatte ihr Chef, dieser Schnösel von Steve Partridge, ihr mitgeteilt, dass man ihre Arbeit künftig nicht mehr benötigte, weil eine externe Firma das übernehmen würde. Hatte er ihr einfach so gesagt und erwartet, dass sie Danke sagte für die miese Abfindung, die man ihr bot, und dann ohne Umschweife den Raum verließ. Sie hatte weinen müssen. Es kam so plötzlich und sie war ein emotionaler Mensch. Sie hatte sich immer für die Basis eingesetzt und hatte die besten Beziehungen zu vielen Soldaten. Auch hohen Offizieren, die mehr Charakter im Schnürsenkel hatten als Steve Partridge im ganzen Leib. Aber sie hatte es ihm heimgezahlt. Denn die Zigarette, die sie in dem Top Secret Post platziert hatte, war von Partridge geraucht worden.

Sie hatte ihn beobachtet, wie er hinter dem Bürohaus gierig eine Marlboro rauchte und sie dann achtlos auf den Boden warf. Vom Fernsehen wusste sie, dass man ihn damit identifizieren könnte. Alle hatten ja irgendwelche Proben abgeben müssen. Man hatte ihr ein Wattestäbchen dafür in den Mund gesteckt. Zur Sicherheit hatte sie die Zigarette nur mit Handschuhen angefasst. Aber da sie ja auf der Basis immer mit Gummihandschuhen herumlief und den Dreck anderer Leute aufsammelte, fiel das alles nicht auf. Und, man nahm sie ja auch nicht wahr. Meistens.

Im Fernsehen ging das ja immer rasend schnell, wenn eine Kippe oder ein Haar untersucht wurden. Kaum gefunden, schon gab es ein Täterprofil. In Wirklichkeit war das bestimmt nicht so und Joy Adamson fragte sich, wie lange es dauern würde, bis Steve Partridge einen unangekündigten Besuch kriegen würde. Schade, dass sie nicht dabei sein würde.

(289) Carl Webber wusste von Steve Partridge, dass er bei der Armee arbeitete.

Carl Webber wusste von Steve Partridge, dass er bei der Armee arbeitete. Steve hatte es bei einem Pub-Besuch erwähnt, als er schon reichlich viel getrunken hatte. Sonst war er ja immer sehr diskret, wenn er in den Three Silver Pins kam. Carl war der Besitzer des Pubs und, wie die meisten Wirte, neugierig. Viele Gäste arbeiteten im Marinestützpunkt und machten auch keinen Hehl daraus. Carl wusste, dass sie Schlosser, Elektriker oder sonst was waren. Nur Steve hatte bisher noch nie gesagt, was er genau machte. Carl hatte den Verdacht, dass er für den Geheimdienst arbeitete.

„Noch einen Johnnie, Steve?“ Johnnie Walker war Steves Standardgetränk. Auch dabei hob er sich von den anderen Stammgästen von Carl ab, die hauptsächlich Ale oder Stout tranken. Manchmal auch einen Kurzen, aber nicht immer. Bei Steve war es immer Whisky und er konnte eine Menge davon vertragen. Steve nickte und Carl hielt das Glas unter den Dosierer. „Harter Tag im Job, Steve?“, fragte Carl, als er das Glas auf den Tresen stellte. „War ok.“ Carl musste einem anderen Gast ein Bier zapfen. Als er fertig war, stellte er sich zum Gläserpolieren vor Steve. „Muss ein verdammt interessanter Job sein, wenn ich mir das so vorstelle. Der Traum für jeden Jungen.“ Steve trank und es sah aus, als ob er darüber nachdachte. „Ja, nicht schlecht.“ – „Also für mich wär das nichts. Diese gefährliche Seite und dann die vielen Reisen. Ich kriege ja schon Herzrasen, wenn ich einen James Bond-Film nur sehe.“ Steve musste lächeln. Carl lächelte auch. „Ja, wenn man das ständig macht, dann kommt einem das ja auch nicht so besonders vor. Ha, wie Gläserpolieren, oder?“

Steve lächelte wieder. Carl war glücklich, er schien etwas Zugang zu Steve zu bekommen. „Es gab ja heute irgendwelche Probleme auf der Basis, habe ich gehört. Alles dicht, kilometerlange Staus.“ Steve trank einen Schluck, Carl hing an seinen Lippen. „Ja. Habe ich auch gehört.“ Carl verzog das Gesicht, er hatte Steve wieder verloren. Machte dicht, wie die Basis.

Steve stellte das Glas hin und erhob sich vom Barhocker. Er ging zu der Tür mit der Aufschrift ‚Gents‘. Ein sehr unauffälliger Mann, dachte Carl, solche Leute suchen die. Dann kam Will an den Tresen und bestellte ein Pint Deuchars. Während Carl den Pumpenschwengel zog, sagte er zu Will: „Steve arbeitet beim Geheimdienst, er hat es mir eben gesagt.“ Will nickte. „Das wundert mich nicht. So wie der immer alleine da sitzt und in seinen Drink starrt. Denkt wahrscheinlich an all die Typen, die er über die Klinge springen ließ.“ Dann kam Steve zurück und schwang sich wieder auf den Barhocker. Will nahm sein Ale in Empfang und zahlte. Carl polierte weiter seine Gläser. „Kommt es eigentlich oft vor, dass fremde Mächte versuchen, auf die Basis einzudringen?“ Darauf antwortete Steve nicht mehr und Carl erkannte, dass er den Bogen überspannt hatte. Er verzog sich ans andere Ende des Tresens, denn einen so guten und regelmäßigen Kunden wie Steve wollte er nicht verlieren. Schließlich hatte Steve seinen Drink ausgetrunken, stand auf und ging zur Tür hinaus. Kaum war er draußen, erzählte Carl anderen Gästen von Steves Job und schmückte sein Unwissen mit Versatzstücken aus Spionagefilmen aus, die er mal gesehen hatte. In seiner Schilderung wurde Steve zu einem Superagenten.

(290) Jetzt noch mal von vorne, Steve.

„Jetzt noch mal von vorne, Steve. Wie kam Ihre Zigarette in den Top Secret Post?“ Steve saß vor dem weißen Tisch wie ein verprügelter Schuljunge. Auf der anderen Seite ein junger Mann, der sich als Tom vorgestellt hatte. Er trug einen militärisch wirkenden Haarschnitt und hinter seiner angenehmen Stimme konnte man die Härte erahnen.

Als Steve am Vortag aus dem Pub herauskam und seinen Wagen aufschließen wollte, sprangen mehrere vermummte Gestalten mit Schnellfeuerwaffen aus den Gebüschen und hatten ihn kurzerhand in einen Sack gestopft und abtransportiert. Als man ihm den Sack abnahm, war er in diesem Zimmer. Draußen war es dunkel gewesen und durch das Fenster konnte er die Kräne des Stützpunkts erkennen. Er kannte den Raum nicht, aber er war in Faslane. Seine eigenen Leute hatten ihn entführt. Dann kam Tom und seitdem verhörte er Steve immer wieder. Es waren lange Sessions, die dann und wann mit Pausen unterbrochen wurden. Die Zeit konnte Steve nur an der Helligkeit draußen ablesen. Jetzt wurde es wieder dunkel und Tom wollte die ganze Geschichte noch einmal durchgehen. Immer und immer wieder. Verdammt, er war im Stützpunkt doch nur für die Putzfrauen verantwortlich. Was wollten sie von ihm? „Ich weiß nicht, warum eine Zigarette von mir in diesen Raum gekommen ist. Ich kenne den Raum nicht und war noch nie darin. Er gehört zu dem Teil des Stützpunkts, zu dem ich keinen Zugang habe. Wie oft soll ich das denn noch sagen?“ – „Warum haben Sie gestern im Pub damit geprahlt, Geheimagent zu sein?“ Steve hielt inne. Das war ein neuer Vorwurf. „Das habe ich nicht. Ich rede nie über meine Arbeit.“ – „Sie haben ja auch nicht über die Putzfrauen geredet, sondern über geheimdienstliche Tätigkeit. Für wen arbeiten Sie denn?“ – „Ich bin kein Geheimagent. Ich organisiere die Reinigung des Stützpunkts. Das ist alles.“ – „Warum waren Sie nach vier Jahren bei der Armee ausgetreten?“ – „Weil ich eine Frau kennengelernt hatte und mein Leben flexibler organisieren wollte. Das habe ich doch schon erklärt. Steht auch in meiner Personalakte.“ – „Und warum haben Sie sich dann bei dem Stützpunkt beworben?“ – „Weil es nichts mit der Frau wurde und ich eigentlich gerne in der Armee war. Nur als Ziviler Angestellter konnte ich zurück.“ – „Warum wollten Sie unbedingt nach Faslane?“ – „Ich stamme aus der Gegend und es gibt hier keine anderen Militäreinrichtungen.“ – „Unsinn, Sie wollten den Stützpunkt ausspionieren. Und das werden wir Ihnen auch nachweisen, Steve. Warum kooperieren Sie nicht? Es kommt doch alles raus und dann wird es doch viel schlimmer. Alles!“

Es klopfte an der Tür. Tom ging hinaus. Es war sehr still in dem Raum. Steve schaute aus dem Fenster zu den Spitzen der Kräne, die wie nach oben gereckte Arme aussahen, an deren Spitze eine rote Warnlampe blinkte. Er war müde und wäre bestimmt eingeschlafen, wenn Tom nicht wieder hereingekommen wäre und ein Foto auf den Tisch gelegt hätte. „Wir haben dieses Foto in ihren Unterlagen gefunden. Erzählen Sie mir mehr darüber.“

(291) Steve Partridge war zur Armee gegangen, weil ihm damals nichts Besseres einfiel.

Steve Partridge war zur Armee gegangen, weil ihm damals nichts Besseres einfiel. Das Foto war aus dieser Zeit. Es waren eigentlich vier angenehme, aber nutzlose Jahre gewesen. Im günstigsten Fall hätte er durch die Monotonie des Dienstes seine Bestimmung erfahren können. So aber hatte er nur Sabrina kennengelernt, wegen ihr den Dienst quittiert und sie dann wieder verloren. Das Foto zeigte sieben Soldaten um einen Tisch herum, der draußen im Schnee stand. Fünf saßen am Tisch und spielten Karten, zwei standen dahinter. Alle feixten in die Kamera, auch Steve, der Zweite von Links. Gut kannte er nur den Nebenmann auf dem Foto, Roderick Sterne, der ebenfalls nach vier Jahren die Armee verlassen hatte. Damals waren sie gut befreundet gewesen. Nach der Armee trat Sterne zum katholischen Glauben über und wurde, soweit Steve wusste, Priester. Die anderen fünf auf dem Foto kannte er nicht. Sie dienten zwar in der gleichen Kaserne, vor der auch das Foto aufgenommen wurde, aber hatten sonst nichts miteinander zu tun. Er und Sterne waren zufällig vorbeigekommen, als das Foto gemacht wurde und man hatte sie gebeten sich dazu zu setzen. Es ging darum, zu zeigen, dass man in der Armee so hart sei, dass man auch bei Schnee draußen noch Karten spielte. Naja. Steve hatte niemals bei der Armee Karten gespielt, weder drinnen noch draußen.

Tom war mit der Erklärung nicht zufrieden. Er deutete auf einen der Soldaten, der auf der rechten Seite hinter dem Tisch stand und in die Karten kiebitzte. „Wer ist das?“ Steve schaute genauer hin. Der Mann war mittelgroß, trug wie die meisten anderen einen Schnurrbart (auch Steve hatte damals einen, bis Sabrina ihn bat, sich glatt zu rasieren). Er hatte etwas schütteres Haar. „Ich weiß es nicht. Ich kann mich nicht an den Mann erinnern – weiß nicht, wie er heißt oder was aus ihm wurde. Der einzige, den ich kenne, ist Roderick Sterne. Was ist mit dem Mann?“ Als Antwort wollte Tom, dass Steve noch einmal die ganze Geschichte mit der Zigarette erzählte. Er tat es und war sich sicher, dass er es ganz genau gleich erzählt hatte wie vorher. Er hatte keine Erfahrung mit Verhörmethoden, aber es ging bestimmt darum, dass er sich in Widersprüche verwickelte und dass man ihn dann festnageln konnte. „Fällt Ihnen jetzt ein, wie der Mann hieß“ Tom zeigte wieder auf das Foto. „Nein, wirklich nicht.“ – „Sie brauchen es nicht zu leugnen. Wir wissen mehr, als Sie denken. Der Mann wird gesucht, weil er Geheimnisse an die Chinesen verraten hat. Er hat Informationen verkauft. Und das haben Sie auch gemacht. Haben Sie dazu mit Lance Hanes weiter Kontakt gehalten? Wie viel hat er Ihnen gezahlt?“ – „Heißt der Mann Lance Hanes?“ – „Tun Sie doch nicht so, Steve, Sie wissen ganz genau, wie der Mann heißt. Steckt Sterne auch mit Ihnen beiden unter einer Decke? Gestehen Sie doch endlich, Mann. Sie wissen, dass wir Sie immer noch vor ein Kriegsgericht bringen können? Wir reden hier von Hochverrat. Seit 1998 ist die Todesstrafe dafür zwar abgeschafft, aber diese Anklage ist auch heute kein Zuckerschlecken!“

(292) Reverend Roderick Sterne beschnitt gerade seine Rosen, als Toby kurz bellte.

Reverend Roderick Sterne beschnitt gerade seine Rosen, als Toby kurz bellte. Mit der Rosenschere in der Hand ging Sterne zur Vorderseite des Pfarrhauses. Vor dem Haus hielt ein bulliger schwarzer Wagen mit dunkelgetönten Scheiben. Keiner aus dem Ort fuhr einen solchen Wagen. Sterne fragte sich, wer ihn besuchen kam. Dann gingen die Türen auf und zwei Männer stiegen aus. Der Fahrer trug eine schwarze Lederjacke und der Beifahrer einen schwarzen Anzug. Zudem trugen beide dunkle Sonnenbrillen. Schwarz schien auf jeden Fall die präferierte Farbe seiner Besucher zu sein. Sterne fragte sich schon, ob der Teufel ihm seine Aufwartung machte, aber das wäre für einen einfachen Landpfarrer wie ihn doch der Ehre zu viel gewesen.

Sterne legte die Rosenschere ab, zog seine Gärtnerschürze aus und legte sie über eine Hecke. „Gott segne Sie, meine Herren. Was kann ich für Sie tun?“ Der Fahrer hielt sich zurück und wartete, bis der andere Mann den Wagen umrundet hatte. „Sind Sie Roderick Sterne?“, fragte er. „Reverend Roderick Sterne, zu Diensten. Was kann ich für Sie tun?“ – „Können wir uns irgendwo ungestört unterhalten?“ – „Wer sind Sie denn?“ – „MI5“, sagte der Beifahrer und zeigte beiläufig eine Marke, die er aus der Hosentasche zog.

Im Pfarrbüro fragten seine Besucher den Pfarrer nach einem Ausweis und er zeigte ihnen sein Zelebret, seinen Priesterausweis, den der Fahrer mit seinem Smartphone fotografierte. „Kennen Sie dieses Bild?“, fragte der andere Mann und legte Sterne ein Foto vor. Sterne setzte seine Brille auf und schaute es sich an. „Oh ja, das war während meiner Militärzeit. Woher haben Sie das Foto?“ – „Das können wir Ihnen nicht sagen. Welche Personen erkennen Sie darauf?“ Sterne schaute genauer hin. „Links neben mir, das ist Steve. Parrington, oder so was, an den Familiennamen kann ich mich nicht mehr erinnern. Wir waren befreundet damals. Weiß nicht, was aus ihm geworden ist. Die anderen kenne ich nicht. Auch damals kannte ich sie nicht, das Foto war etwas seltsam zustande gekommen. Einer von den anderen wollte es aus Jux aufnehmen. Ich glaube, er wollte seinem Bruder zeigen, was für zähe Burschen wir waren. Er hat dann die anderen zusammengerufen und wir haben nur posiert. Es war sehr kalt und wirklich nicht angenehm, dort Karten zu spielen.“ Dann befragten sie ihn weiter aus zu Steve. Sterne wusste aber nicht mehr über Steve, als das, was sie gemeinsam beim Militär erlebt hatten. „Er hatte eine Freundin, die es nicht toll fand, dass er in der Armee war. Das und vielleicht auch weil ich mein Leben damals umkrempelte, hatten wohl dazu geführt, dass auch er ausschied. Danach hatte ich keinen Kontakt mehr. Ist was mit ihm?“ Doch das wollten ihm seine Besucher wohl nicht auf die Nase binden. Sie standen auf und gaben ihm eine Telefonnummer für den Fall, dass ihm noch etwas einfiel. „Nach wem soll ich dann fragen?“ – „Sie brauchen nach niemand zu fragen. Sagen Sie nur am Telefon, was Sie wissen und es wird uns schon finden.“ Sterne begleitete sie nach draußen und sah belustigt, dass Toby gerade an einen Reifen des Autos pinkelte. Der Fahrer sah es auch und sagte nur „Scheiß Töle.“ Dann fuhren sie in einer Staubwolke davon.

(293) Wer war das?

„Wer war das?“ Cynthia stand im Flur, als Sterne wieder hereinkam. In der Hand hielt sie eine Saugglocke, mit der sie den Abfluss im Bad wieder freigemacht hatte. „Es waren Leute vom Geheimdienst. Sie wollten etwas über jemand wissen, mit dem ich bei der Armee war.“ – „Meine Güte, Roderick. Manchmal glaube ich, dass ich gar nichts über dich weiß.“ Dabei wusste Cynthia viel mehr als erlaubt war. Neben ihrer offiziellen Funktion als Haushälterin teilte sie auch das Bett mit Reverend Sterne. Und sie wollte am Liebsten noch mehr. Manchmal bedauerte es Sterne, dass er keine katholische Frau eingestellt hatte. Sie hätte wenigstens das grundsätzliche Verständnis, dass Priester nicht heirateten. Cynthia war Anglikanerin und für sie war ein unverheirateter Priester eine Herausforderung. Da sie auch noch zwanzig Jahre jünger war als er, hatte sie durchaus auch Methoden, die Herausforderung für ihn sehr hart werden zu lassen. So trug sie zum Beispiel an manchen Tagen keine Unterwäsche im Haus. Sie wusste, dass es ihn nervös machte und er dann öfters an sie dachte. Außerdem war er nicht gut darin, mit Versuchungen fertig zu werden.

Sie ging wieder zurück ins Bad und wusste, dass er ihr folgen würde. Am Waschbecken setzte sie die Saugglocke an und pumpte das Wasser im Siphon hin und her. Es war anstrengend und sie beugte sich nach vorne, um ihre ganze Kraft einzusetzen. Sterne setzte sich auf den geschlossenen Klodeckel. Sie wusste, dass er versuchen wollte, einen Blick unter ihre Kittelschürze zu werfen. Sie hielt mit dem Pumpen auf und drehte sich zu ihm. „Warum trittst du nicht einfach in die anglikanische Kirche ein und wir können mit dem Versteckspiel aufhören?“ Sterne seufzte. Diese Diskussion hatten sie mindestens einmal in der Woche. Aus der tiefen spirituellen Erfahrung, die er hatte, als er noch bei der Armee war und die ihn dazu bewegt hatte, Katholik und Priester zu werden, war nicht mehr viel übrig geblieben. „Das geht nicht so einfach. Das ist kein Job wie ein anderer.“ – „Aber anglikanische Geistliche machen das gleiche wie katholische und glauben sogar an den gleichen Gott. Aber sie dürfen heiraten und ein normales Leben führen.“ Während Cynthia vor ihm gestikulierte, bewegten sich die Zipfel ihrer Kittelschürze und er konnte einen Teil ihrer Oberschenkel sehen. Er streckte die Hand danach aus, aber sie wedelte ihn mit der Saugglocke weg. „Alles betatschen, aber nichts kaufen, so macht Ihr das bei den Katholiken.“ Aber sie sagte es nur im Scherz, denn sie stellte die Saugglocke weg und kam näher. Als sie vor ihm stand, hob sie ganz kurz die Schürze und er sah, dass sie darunter wirklich ganz nackt war. Und wie immer wurde ihm dann schummrig im Kopf. Mit der Hand fuhr er an ihrem Bein entlang nach oben und streichelte sie. Nach ein paar Minuten ging sie in sein Schlafzimmer und er ließ Toby herein und verriegelte die Haustür. Der Hund legte sich in seinen Korb und Sterne legte sich zu Cynthia ins Bett. Als sie nachher erschöpft aneinander gekuschelt ruhten, sagte Cynthia, dass es schön war. Kurz darauf musste Sterne aufstehen und sich anziehen, denn er hatte jetzt Beichtdienst.

(294) Als Reverend Sterne in die Kirche kam, wartete Mrs Fitzherbert bereits vor dem Beichtstuhl.

Als Reverend Sterne in die Kirche kam, wartete Mrs Fitzherbert bereits vor dem Beichtstuhl. Sie kam jede Woche zur Beichte, hatte keine nennenswerten Sünden zu berichten und war doch jedes Mal hocherfreut, wenn sie von Sterne losgesprochen wurde. Dass sie über einige Dorfbewohner, hinter deren Rücken, böse Dinge sagte, beichtete sie nie. Sterne hatte schon einmal überlegt, sie darauf anzusprechen, tat es aber nicht, weil er diese Diskussion mit ihr nicht führen wollte. Darüber sollte sich Gott Gedanken machen, er hatte Frau Fitzherbert ja schließlich erschaffen.

Danach kam Rob Neville herein. Er kam zwar öfters mit seiner Frau und seinen Kindern in die Kirche, war nach Sternes Erinnerung aber noch nie zur Beichte erschienen. Entsprechend brauchte er die Hilfe des Priesters, um die richtige Abfolge des Beichtrituals zu wahren. Neville konnte sich auch nicht erinnern, wann er zum letzten Mal gebeichtet hatte. Dann kam er zur Sache. Seine Nachbarin war Mrs Higgins, eine alte Jungfer, geschätzte zehn Jahre älter als Neville. Neville erzählte, dass er manchmal abends, wenn es dunkel war, mit dem Fernglas Mrs Higgins beim Entkleiden beobachtete. Sterne war verblüfft. „Wir reden über Mrs Higgins, Deine Nachbarin?“ – „Ja, Hochwürden.“ – „Mrs Higgins, die einen etwas krummen Rücken hat und beim Gehen ein Bein nachzieht?“ – „Genau die, Hochwürden.“ – „Nun, mein Sohn, wenn es eine junge Frau wäre, würde ich das fleischliche Verlangen eher verstehen. Bei Mrs Higgins fällt es mir aber schwer. Du hast doch eine Frau, die ein paar Jahre jünger ist als du…“ – „Fünf Jahre, Hochwürden“ – „Eine junge Frau, die fünf Jahre jünger ist als du – was bringt dich dazu in der Nacht Mrs Higgins beim Ausziehen zuzuschauen?“

Neville kratzte sich am Kopf. „Mir geht es auch so, Hochwürden. Ich verstehe es nicht und deshalb komme ich zu Ihnen. Deswegen und natürlich auch, um Buße zu tun.“ – „Bereust du es denn, mein Sohn?“ Neville blieb still. „Du musst es bereuen, sonst kann ich dich nicht lossprechen. Aber sag mir, warum du es tust?“ – „Ich glaube, Hochwürden, ich tue es, weil es verboten ist.“ Sterne war über die Antwort erstaunt. „Heißt das, dass du es nicht tun würdest, wenn es nicht verboten wäre?“ – „Ja, Hochwürden, davon bin ich überzeugt.“ – „Also, mal angenommen, ich würde sagen, Rob Neville, ab jetzt darfst du Mrs Higgins so lange beim Entkleiden zusehen, wie du Lust hast. Dann würdest du es nicht mehr tun?“ – „Da bin ich mir ganz sicher, Hochwürden.“ Sterne dachte nach und schüttelte den Kopf. „Du weißt schon, mein Sohn, dass ich das nicht machen kann.“ – „Das habe ich befürchtet, Hochwürden.“

Eigentlich durfte Sterne Neville nicht lossprechen. Andererseits hatte sich der arme Teufel Gedanken gemacht und war freiwillig zur Beichte erschienen. „Bete zwanzig Vaterunser und zwanzig ‚Gegrüßet seist du, Maria‘, mein Sohn. Und kümmere dich mehr um deine Frau.“ Dann sprach er Neville los.

(295) Als er mit Cynthia beim Abendbrot vor seinem Jacket Potato saß, erzählte Sterne ihr von Rob Nevilles Beichte.

Als er mit Cynthia beim Abendbrot vor seinem Jacket Potato saß, erzählte Sterne ihr von Rob Nevilles Beichte. Natürlich durfte er das nicht, genauso wenig wie es erlaubt war, mit seiner Haushälterin zu schlafen. Aber mit wem sollte er sonst reden, wenn ihn etwas bewegte. Natürlich kannte Cynthia Mrs Higgins und er erwartete, dass sie sich entweder über die Sache lustig machte oder dass sie Partei für Mrs Higgins ergriff. Oder für Mrs Neville. Aber Cynthia war mehr daran interessiert, dass Sterne gesagt hatte, dass Neville mit seinem Tun aufhören würde, wenn es nicht mehr verboten wäre.

„Glaubst du das wirklich?“, fragte sie. Sterne holte aus. Er nahm das Beispiel aus der Bibel. „Hätte Eva den Apfel angerührt, wenn es nicht verboten gewesen wäre? Vielleicht, aber wir würden nichts darüber wissen. Aber hier wird der Apfel ja auch nicht als ‚Apfel‘ erwähnt, sondern als ‚Verbotene Frucht‘. Menschen sind halt neugierig. Hätte Gott gesagt, ‚Iss den Apfel nicht, weil du Durchfall bekommst‘, hätte sie ihn vielleicht auch getestet. Vielleicht auch nicht, weil das ein konkreter Hinweis war.“

Cynthia stocherte in ihrem Jacket Potato. Sie schien nicht mit seiner Antwort zufrieden zu sein. Das war gut, denn sie forderte ihn und Sterne wusste, dass sie ihn weiter brachte, als er es alleine schaffen würde.

„Du redest um den heißen Brei rum“, sagte sie. Oh je, dachte er, es geht also nicht um theologische Fragen. „Wohl eher um die heiße Kartoffel.“ Mit einem faden Witz wollte er die Situation entschärfen. „Du weißt genau, was ich meine.“ Wieder so ein Satz, unter dem sich Sterne nichts vorstellen konnte. Er wartete, denn nach einer Kunstpause würde sie ihm erzählen, worum es ging.

„Du willst mir doch irgendwas sagen, damit. Wenn es dir nicht verboten wäre, zu heiraten, würdest du es nicht tun. Das ist doch der Grund deiner Aussage.“ Damit hatte Sterne nicht gerechnet. Die Brücke zwischen dem voyeuristischen Mr Neville, der reizlosen Mrs Higgins und seiner illegalen Beziehung zu Cynthia war ihm bis dahin nicht aufgefallen. Um Zeit zu gewinnen, nahm er noch einen Löffel Quark, den er sich auf die Kartoffel häufte. Cynthia nutzte die Stille, um auch noch etwas draufzulegen. „Du sagst es, damit ich aufhöre, von dir zu verlangen, zu den Anglikanern zu wechseln. Du drohst mir, mich zu verlassen, wenn es keine Hürde mehr gibt, dass wir heiraten.“ Das war jetzt wirklich sehr weit hergeholt, dachte Sterne. Sogar wenn er nach einer derartigen Argumentation gesucht hätte, wäre er nicht darauf gekommen. Cynthia war einfach ausgebuffter als er. Allerdings erkannte er auch, dass sein Leugnen dazu führen würde, dass Cynthia mit ihrem Drängen nach einem Konfessionswechsel (für sie nur ein Jobwechsel) weitermachen würde. Das war eine dumme Lage, in der er sich befand. Egal was er tat, es war nicht gut für ihn. Er nahm Kartoffel mit Quark auf die Gabel und schob es sich in den Mund. Cynthia hatte aufgehört zu essen und starrte ihn an. Sie wollte eine Antwort. Als er gekaut und heruntergeschluckt hatte, sagte er das Erste, was ihm einfiel: „Was soll das, ich wollte dir doch nur von meinem Tag erzählen…“ – „Und ich wollte eine Familie!“, versetzte sie ihm scharf.