(194) Bei dem tragischen Unfall kam der 43jährige Motorradfahrer ums Leben.

„Bei dem tragischen Unfall kam der 43jährige Motorradfahrer ums Leben. Die Gründe des Unglücks sind noch nicht geklärt…“

Diana Lennertz schaltete das Radio aus. Wieder ein Mann weniger, der vielleicht zu ihr gepasst hätte. Zwar schon etwas alt, aber sie konnte wohl nicht wählerisch sein. Außerdem war ein Altersunterschied von 24 Jahren heutzutage kein Problem mehr.

Alle hatten etwas zu tun. Vater und Mutter waren bei der Arbeit, ihr grenzdebiler Bruder Lenny in der Schule, nur sie war alleine zu Hause. Ihr Vater hätte gerne gehabt, wenn sie nach dem Abitur studiert hätte. Ihre Mutter meinte, das sei nur eine Phase. Aber Diana wollte nicht so enden wie ihre Mutter. Immer hetzen, immer vorne dabei sein. Diana wollte einen Mann heiraten und dann als Hausfrau zu Hause bleiben. Dieser Lebensplan schien ihr verlockender zu sein, als alle anderen Vorstellungen ihrer Mutter oder anderer Leute.

Was allerdings noch nicht geklappt hatte, war, den passenden Mann zu finden. Ausschließen konnte sie Gleichaltrige, denn die wussten noch nicht, was sie im Leben wollten. Diana wollte nicht als Beziehungsversuchskaninchen herhalten. Das hatte sie schon hinter sich, als sie vor zwei Jahren mit Rafael liiert war. Das einzig Positive aus dieser Beziehung war, dass er sie nicht geschwängert hatte. Darauf hatte sie geachtet. Außerdem war sie jetzt nicht mehr Jungfrau. Sie hatte quasi ihre wilde Zeit bereits hinter sich gebracht und war jetzt bereit für etwas Ernstes. Und deshalb sollte der Mann, nach dem sie suchte, auch ein paar Jahre reifer sein. Auf jeden Fall jemand, der sich die Hörner abgestoßen hatte und heiraten wollte.

Natürlich hatte Diana in Kontaktbörsen im Internet nach ihrem Mann Ausschau gehalten. Bei ein paar hatte sie sich registriert, aber nur dubiose Angebote erhalten. Es schien, als ob alle nur an kurzfristigem Spaß interessiert waren. Sogar verheiratete Männer kontaktierten sie. Das fand sie einfach nur krank. Sie hatte beschlossen, dass im Internet nur Perverse unterwegs waren.

Sie hatte ihren Vater gefragt, ob sie übergangsweise in seiner Radiologie-Praxis arbeiten könnte. Das wäre, so glaubte sie, doch bestimmt ein guter Ort, um reifere Männer kennenzulernen. Ihr Vater hielt das für eine schwachsinnige Idee. Zur gleichen Zeit ließ er bei Lenny alles durchgehen, was ihm einfiel. Das fand sie nicht gerecht. In arabischen Ländern war das besser geregelt. Da wäre es die Pflicht ihres Vaters, einen Ehepartner für sie zu finden und mit ihr zu verheiraten. Und 19 Jahre waren dafür ein fast schon biblisches Alter.

Sie musste noch einmal mit ihrem Vater reden. Er musste ihr helfen. Sie konnte sich ja nicht an die Autobahn stellen mit einem Schild ‚Ehemann gesucht‘ und darauf warten, dass ein Motorradfahrer sie aufgabelte.

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