(186) Als Raimund Horstel einzog, brachte er nur ein paar Koffer und Kartons mit.

Als Raimund Horstel einzog, brachte er nur ein paar Koffer und Kartons mit. Die Möbel und auch das Gästebett gefielen ihm sehr gut, sagte er. Eva war das recht, denn sie hätte nicht gewusst, was sie sonst mit ihren Möbeln gemacht hätte. Als Leo mit seiner Schlampe in eine neue Wohnung gezogen war, hatte er nichts mitgenommen.

Horstel arbeitete nacheinander je eine Woche Früh-, Nacht- und Mittagsschicht. Eva kannte diesen Lebensrhythmus sehr gut von ihrem Vater. Es war daher kein Problem für sie, dass sie tagsüber jeden Lärm vermeiden musste, wenn Horstel Nachtschicht hatte.

In Horstels Zimmer lag ein Koffer auf dem Schrank, den er nicht ausgepackt hatte. Das hatte Eva beim Staubwischen bemerkt, als sie ihn etwas hochgehoben hatte. Eines Tages, als sie wieder sein Zimmer putzte, wurde sie neugierig. Sie zog den Koffer herunter und öffnete ihn. Darin fand sie, säuberlich in Bündeln gestapelt, unzählige Artikel von Damen-Unterwäsche. Eva war zunächst schockiert, klappte den Koffer schnell zu und stellte ihn wieder auf den Schrank. Während sie weiterputzte, schaute sie mehrmals zu dem Koffer hoch und stellte Hypothesen auf.

Vor ihrem inneren Auge sah sie Horstel nachts in seinem Zimmer. Er war nackt, öffnete den Koffer und zog Frauenunterwäsche an. Darin stolzierte er im Zimmer herum, während sie, eine Tür weiter, arglos schlief. Aber das konnte nicht sein. Sie zog den Koffer noch einmal herunter und überprüfte die Wäschegröße. Erleichtert stellte sie fest, dass Horstel unmöglich in diese Wäschestücke passen konnte. Waren es also Trophäen von Frauen, die er erobert hatte? Alle Wäschestücke waren sauber und ordentlich zusammengelegt. Sie waren recht neu, aber nicht frisch aus dem Laden. Die meisten waren eher von der aufreizenden Art, dachte sie. Leo hätte ’nuttenhaft‘ dazu gesagt. Gerade der.

Eva hielt einen glänzenden weißen Body vor sich und ging in den Flur, um sich vor dem Spiegel anzusehen. Sie fand, dass sie gut darin aussah. Da Horstel nach der Frühschicht immer noch zum Mittagessen in die Kneipe ging, hatte sie noch Zeit, es anzuprobieren.

Als sie wieder vor dem Spiegel stand, fand sie, dass der Body ihrer Taille schmeichelte. Natürlich wollte sie auch sehen, wie es mit Strümpfen aussehen würde, denn dafür waren die Strapse ja gemacht. Da sie keine Erfahrung damit hatte, brauchte sie etwas länger, bevor sie wieder vor dem Spiegel stand. Eva fand, dass sie wirklich gut darin aussah.

Sie drehte sich, um über die Schulter ihren Rücken zu bewundern, als sich die Wohnungstür öffnete und Horstel im Eingang stand. Eva fiel in Schockstarre. Horstel zog die Tür hinter sich zu, ließ sie dabei aber nicht aus den Augen. „Zu dem Body“, sagte er schließlich, „würde ich andere Strümpfe empfehlen.“

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