(18) Halling fand Tukane insgesamt grotesk.

Halling fand Tukane insgesamt grotesk. Ihr Schnabel kam ihm vor, wie eine mitten ins Gesicht montierte Clownsnase. Das hatte er Nestor Cadet-Bréaud, dem Expeditionsleiter, bei ihrem ersten Treffen in Posadas allerdings nicht gesagt. Cadet-Bréaud war Franzose und schien sein Leben der Erforschung der Bunttukane gewidmet zu haben. Der Franzose redete ohne Ende in einem grauenhaften Englisch. Halling spürte, wie er nervöse Zuckungen um den Mund herum entwickelte.

Am nächsten Tag fuhren sie gemeinsam nach Puerto Iguazú, wo die gemeinsame Expedition starten würde. Zuerst war eine vierwöchige Erkundung geplant, in östlicher Richtung am Iguazu-Fluß entlang. Danach eine längere, gründliche Analysephase. Begleitet wurden die Wissenschaftler von sieben einheimischen Helfern, die sich um alle nicht-wissenschaftlichen Dinge kümmerten. Cadet-Bréaud hatte Halling mit der Dokumentation der Expedition beauftragt, auch weil Halling eine Leica-Kamera besaß.

Die ersten drei Tage verliefen fast ohne Probleme. Halling war fasziniert von den riesigen Wasserfällen, an denen sie vorbeikamen. Er fotografierte sie aus verschiedenen Blickwinkeln, bis Cadet-Bréaud ihn genervt anwies, das Fotomaterial für die Bunttukane aufzusparen.

Am vierten Tag erlaubte sich Halling Vorschläge für das Marschprogramm des kommenden Tages zu machen, wurde aber vom Expeditionsleiter rüde abgekanzelt. Am fünften Tag entdeckten sie einen Trupp Bunttukane und schlugen daraufhin in der Nähe ein Lager auf. Gebannt lagen Cadet-Bréaud und Halling am nächsten Morgen im Gebüsch und beobachteten elf Tiere, die am Boden hüpfend Früchte fraßen. In den Baumwipfeln konnte sie weitere Tiere ausmachen.

Plötzlich entdeckte Halling einen seltenen Schwarzstirn-Schakutinga, dessen weißer Augenring und schwarze Gesichtsbefiederung ihn klar identifizierten. „Pipile jacutinga“, flüsterte er zu Cadet-Bréaud und deutete mit dem Finger in die Richtung des Hühnervogels. Der Franzose runzelte die Stirn, schaute kurz in die Richtung und widmete sich gleich wieder den Bunttukanen. Halling erhob sich leicht und pirschte sich geduckt näher an das Schakuhuhn an. Er zückte die Kamera und wollte gerade den Auslöser betätigen, als ein Stein vor dem Vogel aufprallte, der sich in Windeseile ins Gebüsch verdrückte. Halling konnte gerade noch das Grinsen des Franzosen erkennen. In seiner Wut ergriff er einen Ast und warf ihn in Richtung der Bunttukane, die sich schnabelklappernd erhoben und in die Baumkronen flogen. Cadet-Bréaud erhob sich erbost in seinem Versteck und stürmte auf Halling zu. Er entriss ihm die Kamera und warf sie auf die Erde. Vor Schreck warf sich Halling über die Kamera und schützte sie. Der Franzose stapfte fluchend in Richtung Lager zurück. Halling überprüfte die Kamera. Sie war intakt geblieben. Er zitterte am ganzen Leib.

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