(169) Elsbeth, du bist dran! Was hast du bloß mit Gertrud zu tuscheln?

„Elsbeth, du bist dran! Was hast du bloß mit Gertrud zu tuscheln?“ Jost Hunold zeigte auf die zwei Frauen, die zwar gerade von der Toilette zurückkamen, dann aber auf halbem Weg zum Kopfende der Kegelbahn stehen geblieben waren.

„Gertrud, jetzt mach doch hinne!“, stimmte Heinz Bickert, Gertruds Ehemann ein. „Wir haben noch gerade über das Begräbnis gesprochen“, erklärte Gertrud, als sie sich wieder an den Tisch setzte. Elsbeth stand am Trog und wählte ihre Lieblingskugel aus.   Sie nahm Anlauf und ließ die Kugel die Scherenbahn hinunter schlittern. 5 Kegel fielen um. Sie wartete bis die Kugel über die Rückbahn wieder auflief. Beim zweiten Wurf schmiss sie die restlichen vier um.

Jost freute sich und schrieb 81 auf. Jetzt war Heinz an der Reihe: 49. Gertrud schonte den König und das Hinterholz, nur 7 Punkte. Heinz zog eine Fluppe – sie hatten das Spiel verloren.

„Anstatt hier im Kegeln dick zu gewinnen, würde ich mal lieber dem Niemeyer sein Vermögen erben! Es soll gar keinen Erben geben.“ – „Schade, dass er so einsam leben musste. Heinz kannte ihn, ein sehr netter und umgänglicher Mensch. Nicht wahr, Heinz“, Gertrud stieß Heinz an, der noch immer motzte. „Von kennen kann keine Rede sein. Er kam mal zu uns in den Schlachthof und ließ sich alles zeigen. Aber es stimmt“, pflichtete er Gertrud bei, „er war sehr freundlich und aufmerksam. Blitzgescheit.“ – „Der Pfarrer schien ihn auch gut gekannt zu haben. Ich hätte ja nicht gedacht, dass der ein Bibelforscher war.“ – „Das ist etwas anderes. Er hat wohl irgendwie geforscht. Was weiß ich, ein Hobby. Geld hatte er ja schon.“ – „Das wird wohl alles an den Staat gehen.“ – „Jammerschade.“ – Ich wüsste schon, was ich damit anfangen würde.“ – „Ein Haus kaufen. Eine Reise machen. Neues Auto.“ – „Da könntest du dir jedes Jahr ein Auto kaufen, das macht keine Delle im Geldhaufen.“ – „Jammerschade.“ – „Aber irgendjemand meinte vorhin auf dem Friedhof, dass er doch Familie hat.“ – „Na, der hat ausgesorgt.“ – „Vielleicht könnte man ja auch etwas spenden, für alle, die weniger Glück haben“, fügte Elsbeth hinzu.

Alle murmelten zustimmend. Niemeyer war ein mysteriöser Mitbürger in dem Dorf gewesen. Vom ersten Augenblick an, als er seine Riesenvilla aufbaute.

Jost brach das Schweigen: „Spielen wir noch eine Runde?“ – „Nein“, antwortete Gertrud. Ich habe Kopfschmerzen. Mir reicht es jetzt.“ Heinz winkte nach dem Kellner, der den Kassenzettel brachte. „Zusammen oder getrennt“, fragte er, obwohl er die Antwort schon längst kannte. „Getrennt, bitte“, antwortete Elsbeth und zog die Geldbörse mit dem Wechselgeld aus der Handtasche.

Schreibe einen Kommentar