(168) Sehr geehrte Trauergemeinde! Ein wertvoller Mensch ist von uns gegangen.

„Sehr geehrte Trauergemeinde! Ein wertvoller Mensch ist von uns gegangen. Wir sind traurig und können es noch gar nicht fassen, dass Cordt Niemeyer uns verlassen hat. Mir ist, als müsste er hier unter uns stehen und gemeinsam mit uns an dieser Trauerfeier teilnehmen. Unser Glaube verheißt uns große Hoffnung, aber in den Herzen kämpfen wir doch mit dunklen Fragen und Gefühlen. Schauen wir auf sein Leben.

Cordt Niemeyer war in seiner ersten Lebenshälfte ein erfolgreicher Unternehmer gewesen, der sich gemäß den Gepflogenheiten seines Standes benahm. Er selbst sprach von einem getriebenen Leben voller Halbwahrheiten und kleinen Sünden. Er erkannte auf dem Höhepunkt seiner irdischen Macht, dass dieses Leben ihn nicht glücklich machte. Es schränkte ihn ein und er strebte doch nach Höherem. Er verspürte Überdruss am Überfluss.

Er kam zu mir und fragte nach meinem Rat. Nach reiflicher Überlegung war es meine Empfehlung, dass er sich Gott öffnen sollte und dadurch einen Sinn in sein Leben brächte. Die Flamme des ewigen Lebens als warmes Licht, das ihn erfüllen konnte.

Mir war zuerst nicht bewusst, wie genau Cordt Niemeyer diesen Rat annehmen würde und sich tatsächlich der Liebe Gottes vollständig öffnen würde. Aber er tat es und es war für mich ein Wunder des Glaubens. Wie Saulus, der zum Paulus wurde. Er studierte die heiligen Schriften mit einer großen Akribie, nicht als Wissenschaftler, aber als Praktiker. Er wollte seinem Leben eine neue Orientierung zu geben. Er suchte nach einem Sinn für sein Dasein.

In dieser Beschäftigung ging er in seiner zweiten Lebenshälfte auf. Wenn ich einen Menschen kenne, der in dieser Zeit ein derart reines, von Sünden unbeflecktes Leben geführt hat, dann ist es unser Bruder Cordt Niemeyer. Er lebte ein Leben im Elfenbeinturm, nur der Erhebung Gottes gewidmet. Wie gerne würde ich die Notizen lesen, die er sich in all der Zeit aufgeschrieben hat. Vielleicht bekommen wir dazu noch Gelegenheit, wenn sein Nachlass bestellt sein wird. Mit all seinen Reichtümern hätte er alles machen können, wonach ihm der Sinn stand. Er tat es nicht. Und damit ist er ein Beispiel für uns alle.

Cordt Niemeyer hat seinen Füller aus der Hand gelegt und die Augen geschlossen. Der himmlische Vater hat ihn zu sich gerufen. In Seiner Gegenwart sieht er jetzt die Antworten auf die Fragen, um die er die letzten Jahre seines Lebens gerungen hat.“

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