(164) Elfriede Eisermann saß auf dem Rand ihrer Badewanne…

Elfriede Eisermann saß auf dem Rand ihrer Badewanne und drehte sich die Lockenwickler aus den Haaren. Francine war ihr sympathisch, sie hatte ein so warmes, erdiges Lachen. Es war bei Björn aber nie klar, welche Absichten er bei Frauen verfolgte und sie hatte es aufgegeben, darüber zu spekulieren. Aber schön wäre es, noch einmal jung zu sein. Als sie so alt war wie Björn, hatte sie eine heiße Affäre mit Hein König. Auch jetzt noch, wenn sie an ihn dachte, erinnerte er sie an Hans Albers.

Elfriede war damals nicht zu bändigen gewesen, sogar nachts war sie aus dem Schlafzimmer geflohen und hatte sich mit Hein auf der Tenne getroffen. Natürlich war damals nicht alles perfekt gewesen, aber die Zeit mit Hein schien ihr die beste Zeit ihres Lebens gewesen zu sein. Ihretwegen hätte es ewig so weitergehen können.

Hein hatte dann bei einem Küstenmotorschiff angeheuert und sie sahen sich nicht mehr so oft. Doch das schadete ihrer Liebe nicht. Eine Heirat war geplant gewesen, aber Elfriedes Vater war dagegen, weil sie noch zu jung war. 1964 geriet Heins Schiff, die Nordmark, in einen schweren Sturm und sank vor Borkum. Alle Seeleute an Bord kamen um, und mit ihnen auch ihr Hein. Es musste alles sehr schnell gegangen sein. Zunächst dachte sie nur ans Sterben, sie war untröstlich, und heulte nur noch.

Eisermann, einen jungen Kollegen ihres Vaters, lernte sie ein Jahr später kennen. Er bemühte sich um sie und sie willigte irgendwann ein, ihn zu heiraten. Zehn Jahre später war Eisermann tot und noch weitere 25 Jahre später saß sie im Bad und drehte die Lockenwickler aus den Haaren. Wo war die Zeit geblieben? Und wie wäre es gewesen, wenn das Meer um Borkum am 15. April 1964 ruhiger gewesen wäre oder die Ladeluken der Nordmark den Wellen Stand gehalten hätten…

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