(161) Wir alle bedanken uns bei Ihnen, dass Sie dieses humanitäre Projekt hier umsetzen.

„Wir alle bedanken uns bei Ihnen, dass Sie dieses humanitäre Projekt hier umsetzen“, Ludger Dietz hielt die Rechte von Lucius Carinola in beiden Händen und bewegte sie pumpend auf und nieder. „Der Staat kann nicht überall einspringen und private Hilfe ist heute notwendiger denn je.“ Lucius drehte den Kopf verlegen zur Seite und blinzelte wegen des hellen Aufsteckscheinwerfers der Fernsehkamera.

„Herr Minister“, antwortete er, „es ist mir ein Bedürfnis, denen zu helfen, die weniger Glück hatten als ich. Und ich bin stolz auf die Unterstützung von den vielen Mitarbeitern, die mit mir gemeinsam diesen Weg gehen.“

Als das Fernsehteam abgezogen war, setzten sich Dietz und Carinola auf die mit schwarzem Leder bezogene Clubgarnitur und tranken zusammen Bier. „Das tut gut“, seufzte Dietz. „Mann, ist das heiß hier. Sogar jetzt am Abend noch. Wie schaffen Sie das?“ – „Man muss viel trinken“, zwinkerte Carinola ihm zu. Sie lachten.

„Wie schätzen Sie Generalleutnant Tikolo ein?“, erkundigte sich Dietz. Carinola holte aus und erklärte Dietz die komplizierte Gemengelage zwischen der Regierung, der Opposition und den Rebellen. Im Grunde genommen waren alle korrupt oder würden es werden, wenn sie an die Macht kämen. „Wohin sollte Ihrer Meinung nach die Entwicklungshilfe steuern?“, erkundigte sich Dietz. „Wenn Ihre Entwicklungshilfe aus Schecks besteht, ist es egal, was Sie damit machen. Das Geld verschwindet auf jeden Fall in den gleichen tiefen Taschen. Wenn Sie etwas bewegen wollen, müssen Sie hier sein und den Finger drauf halten, was mit Ihrem Geld passiert.“

Dietz nickte und betrachtete den Teppich, der unter dem Clubsessel herausschaute. „Interessanter Gedanke“, antwortete er. „Sie wissen natürlich, dass wir quasi gezwungen sind, Geld auszugeben. Gleichzeitig können wir es uns aber nicht leisten, überall dort zu sein, wo unser Geld hin soll. Aber danke für die Anregung, es ist immer hilfreich, mit Experten zu diskutieren.“ Er trank noch einen Schluck Bier. „Hören Sie, Sie kennen sich ja hier gut aus. Was, meinen Sie, kann ich meiner Frau von hier mitbringen?“

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